Hirtenbrief von Regionalbischöfin Dorothea Greiner in der Corona-Krise

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

mitten im Getriebe dieser Tage mit vielen „dringlichen Empfehlungen und Anordnungen“ ist es mir ein Bedürfnis, Ihnen auch Anderes zu schreiben.

Herzlich danken möchte ich Ihnen für Ihren großen Einsatz. In einem unglaublichen Tempo haben Sie sich eingestellt auf Veränderungen, die wohl keiner von uns für möglich gehalten hätte. Wir spüren ein großes Miteinander und den gemeinsamen Willen, Menschen jetzt nicht allein zu lassen: Durch Sie ist unsere Kirche präsent. Wir ziehen uns nicht zurück, machen nicht dicht, sind da, bleiben im Kontakt – nur eben anders als vorher.

Überall entstehen jetzt Ideen und Initiativen: Hilfsangebote für ältere Menschen, Einkaufs-, Besorgungs- und Fahrdienste, Anrufe bei Menschen, Telefonhotlines in Dekanaten. Jetzt, wo wir keine Gottesdienste und Andachten mehr halten können, entstehen digitale Formen auf den Internetseiten: täglich Gedanken für den Tag, Andachten und Gottesdienste online abrufbar. Wir erleben gerade, was technisch geht und uns hilft, uns zu vernetzen und vieles mehr: Bewährtes und Neues.

Ich bin beeindruckt von der Vielfalt der Gaben, die in dieser Zeit in besonderer Weise sichtbar werden: das Wort Gottes in neuen Formen verkündigen, Trost spenden, zuhören, über Ängste sprechen, die richtigen Worte finden, zupacken und helfen, organisieren, vermitteln und technische Hilfe leisten. Jeder und jede bringt ein, was er oder sie besonders kann. Manches, was wir sonst ewig diskutiert hätten, machen wir jetzt einfach und probieren es aus. Es wird wahrgenommen, dass und wie wir als Kirche da sind, und dafür danke ich Ihnen.

Sie tun Ihren Dienst. Und ich weiß, das ist manchmal alles andere als einfach.

Natürlich haben auch viele von uns jetzt Sorge: um uns selbst, um unsere Familien, unsere Eltern. Wir alle tragen unseren Teil dazu bei, die Mut machende Botschaft Gottes zu verkündigen und spüren, wie sehr wir sie auch für uns selbst brauchen.

Heute steht in den Losungen unseres Herrnhuter Losungsbüchleins ein so passender Liedvers:

Der Herr ist noch und nimmer nicht von seinem Volk geschieden; / er bleibet ihre Zuversicht, ihr Segen, Heil und Frieden. / Mit Mutterhänden leitet er die Seinen stetig hin und her. / Gebt unserm Gott die Ehre!

(Joh. Jakob Schütz, EG 326,5)

Wir sind „die Seinen“. Der Herr ist unsere Zuversicht. Er schenke Ihnen Geduld und Kraft für diese schwierige Zeit im Dienst und in der Familie; er behüte Sie und Ihre Lieben an Leib und Seele.

Mit herzlichen Grüßen, Gott befohlen

Ihre
Dr. Dorothea Greiner
Regionalbischöfin