Ordination Dr. Johanna Lunk und Annett Treuner, zugleich Installation von Daniel Lunk und Vorstellung von Wolfram Lehmann

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner an Okuli, 8.3.2015, in Schwarzenbach/Saale

Liebe Festgottesdienstgemeinde!
Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.
Dieser Bibelvers, zugleich der Wochenspruch, ist ein radikales Wort an uns alle und vor allem an die vier, die – um im Bild des Wochenspruchs zu bleiben – heute gesegnet werden zum Pflügen.
Dass heute vier Pfarrer und Pfarrerinnen in einem Gottesdienst für den Dienst in Schwarzenbach gesegnet werden, das gab es vermutlich hier noch nie. Es ist wirklich ein großes Fest. Sie als Gottesdienstgemeinde sind wichtig. Ich bitte Sie, dass Sie mitsegnen und mitbeten, bei den vier Segenshandlungen heute.

Vier Segnungen und trotzdem drei unterschiedliche liturgische Handlungen, die wir heute an den Vieren vollziehen. Dr. Johanna Lunk und Annett Treuner werden beide ordiniert, Daniel Lunk wird installiert, Wolfram Lehmann vorgestellt.
Das wirkt auf den ersten Blick etwas verwirrend, ist es aber nicht.
Würden Dr. Johanna Lunk und Annett Treuner nicht ordiniert werden, könnten sie auch niemals installiert werden. Sie würden sogar wieder entlassen werden aus dem gerade frisch begründeten Pfarrerdienstverhältnis. Denn die Ordination ist die grundlegende Berufung, Segnung und Sendung in den Dienst der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung. Sie gilt lebenslang bis zum Sterbebett. Sie ist mit der Person verbunden, wie die Taufe.
Sie alle, liebe Gottesdienstgemeinde, die Sie getauft sind, Sie sind in die Nachfolge Jesu Christi gerufen. Deswegen gilt der Wochenspruch auch Ihnen/uns allen.  Als Nachfolger Jesu haben wir alle das gemeinsame Ziel, dass das Reich Gottes grünt und blüht, wächst und gedeiht. Pflügen, den Boden bereiten, einladen zum Glauben an den dreieinigen Gott und zum Leben in Liebe sollen wir alle, in der Familie, im Freundeskreis, bei Arbeitskollegen, wann immer Jahreszeit und Wetter passen.
Das gilt für unsere Vier hier auch, doch die dürfen und müssen die Einladung zum Glauben an den dreieinigen Gott auch in der Öffentlichkeit aussprechen, auf Kanzeln und an Altären, an Taufsteinen und Gräbern. Dazu werden die beiden Frauen heute ordiniert und sind die beiden Männer schon ordiniert worden; ihre Installation und Vorstellung geschehen heute in Erinnerung an ihre Ordination.
Die Ordination ist eine grundlegende, einmalige Handlung, denn zum einen bestimmt sie das Leben der Ordinierten. Zum anderen ist sie aber auch grundlegend für unsere Kirche, weil die öffentliche Verkündigung wesentlich ist im Reich Gottes und für das Bestehen einer Kirche. Darum ist das Ordinieren auch  bischöfliche Aufgabe.
Wer so einmal zu Beginn des Pfarrdienstes ordiniert wurde, kann auch – wenn er sich bewährt hat im dreijährigen Probedienst – sich bewerben auf unterschiedliche Stellen unserer Landeskirche. Auf diesen Stellen wird er dann fest eingesetzt –installiert nennt man dies. Er ist dann Bauer mit Hof, aus dem er so schnell nicht mehr vertrieben werden kann – um im Bild des Bibelwortes zu bleiben.
Sie, lieber Herr Lunk, wurden vor dreieinhalb Jahren zusammen mit Herrn Martin Kollei hier ordiniert. Und es ist uns allen eine große Freude, dass Sie sich nicht auf eine andere Stelle wegbeworben haben, sondern hierher nach Schwarzenbach/Saale und Hallerstein. Sie werden heute also installiert durch Dekan Lechner auf eine feste Pfarrstelle, die sich zusammensetzt aus zwei halben: Hallerstein und die Hälfte der Pfarrstelle Schwarzenbach I.
Die drei anderen erhalten ihre Pfarrstellen „nur“ zur Vertretung. Unsere beiden Ordinandinnen müssen sich erst noch im Probedienst bewähren, woran ich keinerlei Zweifel habe: Frau Dr. Lunk auf der anderen Hälfte der Pfarrstelle Schwarzenbach I und Frau Annett Treuner auf der ganzen Stelle Schwarzenbach III mit Sitz in Martinlamitz.
Pfarrer Wolfram Lehmann wurde schon vor 20 Jahren ordiniert und hat sich bewährt im Probedienst. – Warum wird er dann heute nicht fest installiert? Nun, er will erst einmal schauen, ob er tatsächlich von einem halben Pfarrersgehalt leben kann. Denn er möchte noch freie Kapazitäten haben für seine Lehr- und Beratungstätigkeit. Darum erhält er heute befristet die halbe Pfarrstelle Schwarzenbach II zur Vertretung und wird dafür von Dekan Lechner gesegnet.
Dekan Lechner würde sonst die Einführungsansprache halten und Herr Lunk die Predigt des frisch Installierten. Doch das fassen wir heute zusammen, sodass ich auf alle vier Segenshandlungen eingehe und predige.
Ich selbst bin sehr dankbar, dass es gelungen ist, dass nun alle Pfarrstellen in den Kirchengemeinden Schwarzenbach und Hallerstein besetzt sind.  Nun ist ein arbeitsfähiges junges Team da, das mit Ihnen zusammen für das Reich Gottes ackern will.

Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.
Den Blick zurück will Jesus uns nicht gestatten. Auch nicht kurze Blicke in die Biographien des Teams? Doch. Denn das Verbot zurück zu schauen, meint etwas anderes. Dazu später.
Beginnen wir mit unseren beiden Ordinandinnen. Sie, liebe Frau Dr. Lunk, sind vielen in Schwarzenbach schon bekannt, nicht nur als Ehefrau von Pfarrer Lunk, sondern weil Sie zum vergangenen September schon innerhalb des Vorbereitungsdienstes von Rehau hierher wechselten, um Ausbildung und Familie besser vereinbaren zu können. Dabei wurden Sie weiter gut begleitet durch Ihren Mentor Pfarrer Thomas Wolf.
Sie bringen viel Gutes mit, allein schon dadurch, dass Sie in einem kirchlich-fromm geprägten Elternhaus aufgewachsen sind. Für Regionalbischof in Ruhe Schmidt, Ihren Vater, und Frau Schmidt, Ihre Mutter, ist das heute ein bewegender Tag. Genauso wie für die Eltern und Verwandten der drei anderen.
Ihr Engagement, liebe Johanna Lunk, bei den christlichen Pfadfindern, im Kindergottesdienst, das Singen in der Kantorei Pegnitz, Ihr Theologiestudium in Erlangen und Brasilien, Ihre Tätigkeit als Hilfskraft am Gottesdienst¬-Institut und dann auch Ihre Doktorarbeit über das persönliche Gebet bilden einen Fundus, sind Proviant, das Sie nährt, wenn Sie auf dem Acker des Reiches Gottes den Pflug lenken.
Sie, liebe Annett Treuner, bringen nicht minder viel mit, zumal Ihr Zugang zum Pfarrberuf ein besonderer war. Neben Elternhaus und Großmutter prägte Sie Pfarrer Körner im Konfirmandenunterricht und förderte Ihre Entschiedenheit für die Nachfolge Jesu Christi. Erlebte Seelsorge, Aufenthalt bei den Fackelträgern am Bodensee, ein absolviertes Studium der Sozialpädagogik, zwei Jahre Berufstätigkeit als Gemeindereferentin in Lohr und acht Jahre als Dekanatsjugendreferentin in Castell, auf diese Berufstätigkeit folgend dann vier Jahre Theologiestudium in der Pfarrverwalterausbildung in Neuendettelsau und Vikariat bei Pfarrerin Baderschneider in Hagenbüchach und Kirchfembach – dieser lange dienstliche Vorlauf macht Sie in manchem zu einer erfahrenen Pfarrerin von Beginn des Pfarrdienstes an. Auch durch Ihren früheren Prädikantendienst konnten Sie die öffentliche Verkündigung schon einüben.
Frauen am Pflug? Ein ungewohntes Bild? Auf Traktoren sieht man sie inzwischen oft. Das hätte man vor zwanzig Jahren auch noch nicht gedacht. Vorgestern wurde im Bundestag die Frauenquote beschlossen. Ich darf Ihnen versichern: Diese beiden Frauen sind ohne Quote auf ihre Stellen gekommen, vielmehr durch ihre Qualifikation und Eignung – und Gottes Führung. Das erscheint mir auch für unsre Kirche geeigneter als eine starre Quote. Trotzdem hat sind nun ergeben, dass wir ein Team haben von zwei Frauen und zwei Männern und somit die Idealquote 50/50 erfüllen. Doch nun ohne Scherz: Ich halte es für wirklich ideal für Gemeinden und Städte, wenn Frauen und Männer im pastoralen Dienst zusammenwirken.

Zu den beiden Männern: Sie, lieber Wolfram Lehmann, blieben nach Ihrer Ordination 10 Jahre lang auf der Pfarrstelle Affalterthal – wurden dort auch installiert, sammelten dann Erfahrungen auf einer halben Projektstelle zur Theologischen Begleitung des Projektwandels in Nordostbayern und waren parallel mit der anderen Hälfte als Pfarrer in Hof St. Lorenz und seit Herbst 2012 als Fundraiser des Kirchenkreises Bayreuth eingesetzt. In dieser Zeit haben wir gemeinsam zwei Stiftungen auf- bzw. ausgebaut.
Liebe Gemeinde, seine Fundraisingerfahrungen können beim anstehenden Gemeindehausbau durchaus nützen. Ich hoffe und vermute, er wird gerne länger als ein Jahr bei Ihnen bleiben. Lassen Sie sich ruhig ganz auf ihn ein.
Tja und nun ist es so, dass Sie, lieber Daniel Lunk als junger Pfarrer mit dreieinhalb Jahren Dienstzeit im Pfarrersteam für die Kontinuität stehen. Bevor Sie ordiniert wurden habe ich mir notiert: „Pfarrer Lunk ist ein bescheiden auftretender, freundlicher Kollege, der sich gewinnend und persönlich mit geistlicher Nachdenklichkeit und theologischem Reflexionsvermögen ins Gespräch einbringt.“ Ich war damals schon und bin weiterhin dankbar, dass Sie im Heilsbronner Konvent eine geistliche Heimat haben. Dort müssen Sie nicht pflügen, sondern können selbst Ackerland sein, das sich aufschließen lässt für Gott. Für jeden Menschen und gerade auch für Pfarrer und Pfarrerinnen ist es unentbehrlich, solche Orte, an den wir Gott an uns wirken lassen, zu haben.

Nun haben wir also ein wenig zurückgeblickt auf den Lebensweg der Sie vier hierher geführt hat oder besser: auf dem Gott Sie hierher geführt hat.
Was meint nun: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.
Sie vier, ich, wir alle sind geprägt durch unser bisheriges Leben, durch familiäre, berufliche, geistliche Erfahrungen. Manche dieser Erfahrungen sind wie Schätze für uns, manche haben Narben in unserer Seele hinterlassen.
Was meint also die Weisung Jesu?
Es gibt Vergangenes, das eine falsche Bindekraft bis in die Gegenwart hinein hat.
Es gibt Verletzungen durch andere Menschen und Umstände, Erfahrungen, die tun immer noch weh, wenn wir uns an sie erinnern. Halten Sie solche Erinnerungen betend Gott hin. Erzählen Sie  ihm, was Sie da verletzt hat und dass der Gedanke daran immer noch schmerzt. Bitten Sie ihn, dass er diese Wunde heilt – und tun Sie dies so oft und so lange, bis Sie ganz mit Ihrem vergangenen Leben versöhnt sind oder die Vergangenheit zumindest ruhen kann. Aber Christus, der Versöhner, kann uns helfen – auch durch andere Menschen – sodass wir uns und anderen verzeihen können und unter seinem liebevollen Blick ruhen zu lassen, was war. Das gibt ganz neue Kraft, um in die Zukunft zu schreiten mit dem Pflug in der Hand.
Vielleicht gibt es auch Erfolge in unserem Leben oder in dem unserer Kinder, auf die wir stolz sind. Auch solche Erfolge können eine falsche Bindekraft haben.  Bedenken wir stattdessen: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land. Doch Wachstum und Gedeihen, steht in des Himmels Hand“ – das gilt für den ganzen Lebensgarten. Weh uns, wenn wir uns definieren über unsere Schaffenskraft und unsre Erfolge. Was ist dann wenn wir alt sind?! Dann sind wir in unseren Augen nichts mehr wert. Wir bleiben aber wertvoll. Selbst wenn wir unser Gedächtnis verloren haben, bleiben wir im Gedächtnis unseres Vaters im Himmel, der uns liebt und für uns sorgen wird.
Doch Jesus kritisiert in unserem Evangelium nicht nur die falsche Bindekraft von Vergangenem, Gegenwärtigem oder Zukünftigem, sondern auch die von Beziehungen. In unserem heutigen Evangelium will einer noch den Vater beerdigen und Jesu sagt zu ihm: „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes.“ Das ist doch lieblos, mag da mancher unter uns aufschreien. Wir haben doch ohnehin viel zu viel soziale Kälte in unserer Gesellschaft.
Jesus wird uns ganz im Gegenteil viel mehr Liebe zu den eigenen Verwandten schenken, wenn unsere erste Liebe ihm gehört. In unserem Bibelwort geht es um die Radikalität der Nachfolge und die erste und vorrangige Bindung an ihn. Diese klare Vorrangstellung klärt und macht uns frei. Weil Jesus die Unfreiheit und Unentschiedenheit dieses Menschen wahrnimmt, darum konfrontiert er ihn.
Die vorrangige Bindung an Christus macht frei von allem, was uns hindert unsere Gaben einsetzen zu können für das Reich Gottes, damit es grünt und blüht, damit Glaube und Liebe wächst in dieser Stadt, in unserem Leben.
Warum sollen wir nicht zurückschauen? Weil es darum geht, den Blickkontakt zu Jesus Christus nicht zu verlieren, der uns voran geht.
„Jesu geh voran auf der Lebensbahn“, so heißt ein Lied in unserem Gesangbuch. Wenn er voran geht, und wir ihm hinterher, dann zieht unser Pflug gerade Spuren, in denen das Reich Gottes gedeiht.
Liebe Frau Dr. Lunk, liebe Frau Treuner, in Ihrer Ordination geht es um Ihre Lebensspur. Sie sollen und werden mit Ihrem ganzen Leben den Boden bereiten für den Glauben an den dreieinigen Gott insbesondere durch Ihre Verkündigung des Evangeliums in der Öffentlichkeit. Gesegnet durch Gott wird Ihre Lebensspur in vielen Menschenleben Segensspuren hinterlassen.

Wir alle bitten insbesondere für Sie beide, aber auch für Ihre beiden ordinierten Kollegen und für uns alle:
„Jesu geh voran auf der Lebensbahn und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen. Ordne unsern Gang Jesu lebenslang. Führst du uns durch rauhe Wege, gibt uns auch die nöt´ge Pflege; tu uns nach dem Lauf, deine Türe auf.“
Amen.