Ordination von Bettina Minth und Romina Rieder

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zu Micha 6,8 am 18.10.2015 in der Stadtkirche St. Georg, Coburg

Liebe Festgemeinde, vor allem liebe Ordinandinnen Bettina Minth und Romina Rieder,

es freut mich sehr heute bei Ihnen zu sein und dieses wunderschöne Fest der Ordination mit Ihnen zu feiern. Sie, liebe Gemeinde, ordinieren alle mit, indem Sie mitbeten und mitsegnen.
Wenn ich die eine Ordination mit einrechne, die ich vollzogen habe, bevor ich Regionalbischöfin wurde, so ist Ihre Ordination, liebe Frau Minth, die 50. Ordination, die ich feiern darf. Wenn ich nur die rechne, die ich als Regionalbischöfin vollzogen habe, so ist Ihre, liebe Frau Rieder, die 50. Ordination. Eine jede habe ich bisher als großes Geschenk für unsere Kirche, das Reich Gottes und für die Ordinanden empfunden.
Denn die weltweite Kirche Jesu Christi und unsere Evangelisch-lutherische Kirche in Bayern und jede Gemeinde in ihr – auch Neustadt und Haarbrücken brauchen den Dienst der öffentlichen Wortver-kündigung und Sakramentsverwaltung. Und für Sie beide ist es eine Lebenshingabe an Christus zum Dienst für ihn. In der Ordination wird die Beziehung zwischen Christus und Ihnen noch fester. Christus sagt Ihnen mit der Ordination: ich brauche Dich, ich rufe Dich und sende Dich. Vertraue mir: Ich lasse Dich nie allein, sondern bin segnend bei Dir.
Ihre Ordination ist Fest voller Hoffnung und Zukunft. Denn Sie beide treten in Dienst der öffentlichen Wortverkündigung und Sakraments-verwaltung für Ihr ganze Leben. Denn die Ordination als  Berufung, Segnung und Sendung zur öffentlichen Wortverkündigung und Sakraments-verwaltung mit allen Rechten und Pflichten endet nicht mit Ihrer letzten Stelle. Sie gilt auch noch, wenn Sie Greisinnen sind. Gerade unsere alten, ergrauten Pfarrer und Pfarrerinnen sind oft ein besonderer Schatz für die Menschen, weil sie so viel Erfüllendes erfahren haben mit Gott und den Menschen. Gott schenke Ihnen dies auch.

Als ich bei unserem Ordinationsgespräch den Wochenspruch für den heutigen  20. Sonntag nach Trinitatis zitierte, meinten Sie selbst, dass er gut zur Ordination passt. Auch er zielt ja mit seinen drei Forderungen auf das ganze Leben.
Doch liebe Gemeinde, dies ist nicht nur ein Spruch für Ordinandinnen. Er ist Spruch für Sie alle hier im Kirchenschiff:
„Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“

Dass der Herr, unser Gott, etwas von uns fordert, passt in das Gottesbild vieler Menschen von heute gar nicht mehr hinein. Viele stellen sich Gott eher als gute, liebevolle Energie vor, die uns umgibt und das Wohlfühlmoment steigert. Sie tritt uns nicht gegenüber und sagt nie „nein“. Manche Menschen legen sich ihr Gottesbild so zu recht, dass es ihr Wohlbefinden optimiert.
Manche machen sich ja auch ein Bild von einer Traumfrau, die immer tut, was man will. Nur gibt es solch eine Frau genauso wenig, wie einen Gott, der immer nur nett ist.
Der Biblische Gott tritt uns gegenüber. Er will etwas von uns. Der Clou dabei ist: Er fordert von uns etwas, das - wenn wir es tun - uns glücklicher macht als wir uns es je hätten erträumen können.
Gott fordert uns auf, nicht damit er zufrieden ist, sondern damit unser Leben gelingt. Darum werden diese Forderungen eingeleitet mit den Worten: Es ist Dir gesagt Mensch, was gut ist. Die Forderungen entspringen seiner Güte.

Nun also zu den drei Forderungen selbst:

Gottes Wort halten. An was denken Sie da? Manche von Ihnen denken an die Zehn Gebote, die wir halten sollen. Glücklich die Gesellschaft, in der die Menschen die Zehn Gebote halten. Der VW-Konzern hätte vor diesem Desaster bewahrt werden können durch Einhaltung des Gebotes: Du sollst nicht lügen. Gottes Wort halten, bedeutet Halt im Leben, eine Richtschur, echte Leitplanken, die den allermeist persönlichen und gesellschaftlichen Absturz verhindern.

Doch Gottes Wort ist noch mehr – mehr als nur Gebote. Jesus Christus ist Gottes Wort in Person. In ihm hat der Vater im Himmel zu den Menschen geredet. Sein ganzes Leben, sein Tod in Liebe zu allen Menschen, seine Auferstehung sagen Dir: „Du bist ein vom Vater im Himmel geliebter Mensch. Du bist sein Geschöpf und unterwegs zu ihm. Durch Christus und seine Vergebung steht Dir der Himmel offen.“
Wer sich an Christus - als Wort Gottes in Person - hält, der erfährt: Ich werde erhalten und gehalten, geführt und getragen im Leben.

Sie, liebe Ordinanandinnen, bekennen Christus als Mitte Ihres Lebens und Mitte der Heiligen Schrift. Wie gut. Von dieser Mitte her und auf sie hin, wird sich alles ordnen in Ihrem Leben.
Viel Arbeit wartet auf Sie. Doch lesen Sie bitte die Schrift nie nur dienstlich fürs Predigen, sondern immer zuerst für sich. Seien Sie in guter Weise egoistisch: Fragen Sie bei der Predigtvorbereitung immer zuerst: Was will Gott mir durch dieses Wort sagen. Wenn Sie sich durch das biblische Wort selbst ansprechen lassen, werden auch andere durch Ihre Predigt angesprochen werden.
Sie, liebe Frau Minth, haben eine nachahmens-werte Gewohnheit: Bevor Sie mit Ihren Hunden spazieren gehen, schauen Sie sich einen Psalm oder ein anderes Bibelwort an und nehmen es innerlich mit auf den Weg. So wird das Wort Licht nicht nur auf dem Spazierweg, sondern auf Ihrem Lebensweg werden.
Liebe Gemeinde, wenn Sie also Frau Minth mit ihren Hunden spazieren gehen sehen, dann wissen Sie, Frau Minth meditiert ein Bibelwort.
Sie, liebe Frau Rieder, haben vor unserm Ordinationsgespräch geschrieben, wie bedeutsam und grundlegend die Heilige Schrift für Ihren ganzen Dienst ist, nicht nur beim Predigen, sondern auch für den Konfirmandenunterricht, auch in der Seelsorge. Wie gut. Ein Bibelwort, das Sie einem Menschen zusprechen, wird ihn nähren.
Ich ermutige Sie beide die Worte der Heiligen Schrift zur Sprache zur bringen. Halten Sie Gottes Wort hoch in Privatleben und Dienst Ihr ganzes Leben lang. Es wird Sie halten und jeden, den das Wort Gottes durch Ihr Reden ergreift.

Die zweite Forderung ist: Liebe üben.
Uns allen hier im Kirchenschiff gilt das Doppelgebot der Liebe: „Du sollst Gott lieben … und Deinen Nächsten wie Dich selbst.
In diesem doppelten Sinne sollen wir alle Liebe üben im Sinne von ausüben, praktizieren.
Doch wir können die Forderung „Liebe üben“ auch im Sinne von einüben verstehen. Liebe fällt nur beim Verliebtsein kurzzeitig vom Himmel, ansonsten bedarf Liebe der steten Übung. Die Liebe zu Gott wird flach, wenn wir sie nicht üben, indem wir beten und den Gottesdienst besuchen. 
Wenn wir einen Partner fürs Leben gewinnen wollen, dann denken wir an ihn, rufen ihn an, machen ein date aus und besuchen ihn. So ist das mit Gott auch.
Sie beide werden Übungsleiterinnen zur Gottesliebe sein, sodass die Gottesliebe wächst und gedeiht im Leben der Menschen und damit das Lebensglück.
Liebe üben meint in unserem Bibelwort wohl aber vor allem die Liebe zum Nächsten. Das ist in unserem Beruf wirklich eine dauerhafte Übung.  Wenn ein Geburtstagskind, nennen wir sie Frau Meyer, beim Türöffnen sagt: „Frau Pfarrer, ich habe Sie aber schon früher erwartet.“ Dabei hatten Sie sich so gehetzt, um nach Religionsunterricht und Beerdigung gleich zu kommen. Was heißt dann Liebe üben? Wer liebt, spürt, wenn er verletzt wird und doch sieht er den anderen in seiner Bedürftig-keit an Zuwendung und kann dann vielleicht sagen: „Liebe Frau Meyer ich bin so früh gekommen, wie es mir möglich war. Sie sind mir ganz wichtig und ich freue mich, jetzt bei Ihnen zu sein.“  Schön, wenn mir das immer so gelungen wäre.
Übungsleiterinnen zur Nächstenliebe sind wir zu allererst durch die Liebe, die wir anderen schenken. Und das ist für uns ein lebenslanger Einübungsweg.
Schließlich die dritte Forderung:
„Demütig sein vor Deinem Gott“. Sie beide haben einen ziemlich geradlinigen Weg hinter sich:
Sie, liebe Frau Minth sind in Mühlbach, Rumänien, geboren, in München aufgewachsen, haben dort auch Theologie studiert , in Planegg bei Pfarrer Dr. Liess Ihren Vorbereitungsdienst absolviert und sind nun gerne nach Neustadt bei Coburg gekommen. Herzlich willkommen!
 Sie, liebe Frau Rieder sind Nürnberg geboren und aufgewachsen, studierten in Erlangen Theologie und Christliche Publizistik und leisteten den Vorbereitungsdienst ab in Nürnberg Fischbach bei Pfarrerin Andrea Möller. Sie haben nach Ihrem Einsatz in Haarbrücken bereits eine Assistenten-stelle bei Professor Nicol in Aussicht. Doch wir sind alle dankbar für die Zeit, in der Sie Haarbrücken und Umgebung geschenkt sind.
Wer ohne große Hindernisse durchs Leben schreitet, wird manchmal übermütig oder gar überheblich. Das nehme ich bei Ihnen beiden nicht wahr. In Gegenteil hat die dritte Forderung Sie nicht minder angesprochen.
„Demütig sein vor Deinem Gott“ - das weist in eine Grundbeziehung ein. Vor ihm allein habe ich mich zu verantworten. Vor ihm stehe ich, sitze und knie ich. Er ist mein primäres Gegenüber. Er ist die Autorität in meinem Leben, die mich in Güte fordert und fördert.
Diese primäre Orientierung auf ihn macht frei für eine partnerschaftliche Beziehung zu jedem Menschen. Dass Gott über uns ist, macht die Rangunterschiede zwischen Menschen klein, ja kehrt sie sogar um. „In Demut achte einer den anderen höher als sich selbst“, sagt dementsprechend Paulus.
Den anderen höher achten als sich selbst: Der Geflüchtete den Einheimischen und umgekehrt.
Doch bleiben wir aus heutigem Anlass bei der Gemeinde:
Die Reinigungskraft die Pfarrerin und umgekehrt, die einzelnen Kirchenvorstände die Pfarrerin und umgekehrt, der Kollege die Kollegin und umgekehrt, der Organist bzw. Kantor die Pfarrerin und umgekehrt. Die Herrschaft ist geklärt. Gott ist Herr und niemand sonst.
Auch in der Ehe gilt diese Weisung „in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst“. Ernstgenommen beendet dies Machtspiele und Entwürdigungen sehr schnell. Wir dienen Gott und damit einander.
Schwer wird es für uns dann, wenn keine Wechselseitigkeit besteht. Dann müssen wir manchmal in Liebe Grenzen setzen. Doch stets gilt: Wenn andere auch aus dieser Rolle des Dienens Ihnen gegenüber fallen - bleiben Sie in ihr in der Kraft des Heiligen Geistes. Dann wird auf Dauer Gott gewinnen.
Gottes Wort halten und von ihm gehalten werden, Liebe üben – ja trainieren, demütig sein vor Gott und so frei werden zu echtem Dienen, das sind Lebensaufgaben. Doch die Erfüllung wird Sie erfüllen und Ihr Leben bereichern. Es sind Forderungen, die Ihr Glück befördern. Es ist eine Anleitung zum Glücklichsein.
Sie, liebe Frau Minth und Frau Rieder, werden umso mehr andere anleiten können, je mehr Sie sich selbst von Gottes Güte fordern und fördern lassen. Gehen Sie in diese Lebensaufgabe als Berufene, Gesandte und Gesegnete.
Amen.