Ordination von Bettina und Gundolf Beck

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zu Lukas 17,11-19 am 29.09.2019 in Michelau

Liebe Festgemeinde, vor allem liebes Ehepaar Beck,

das Evangelium des Sonntags, die Geschichte von der Heilung der zehn Aussätzigen ist Ihr Ordinationswort.
Alle zehn Kranken haben etwas gut gemacht. Auch die neun, die nicht umkehrten: Sie haben Jesus um Erbarmen gebeten. Wie viele Menschen sind krank und haben Probleme und kommen gar nicht auf die Idee, Jesus um Hilfe zu bitten. Darin, dass sie sich mit ihrem Leid an Jesus wenden, sind uns alle Zehn ein Vorbild.
Jesus heilt sie alle. Einer kehrt um, lobt Gott mit lauter Stimme, fällt vor Jesu Füße nieder auf sein Angesicht und dankt ihm.
Jesus sagt zu diesem einen: „Dein Glaube hat Dir geholfen“. Hatten die neun keinen Glauben? Darüber sagt unser Bibelwort nichts.
Doch offensichtlich hat Jesus ein zweifaches Ziel beim Heilen: Er will, dass Menschen körperlich geheilt werden – und er will, dass Menschen in eine Glaubenshaltung finden, die  Jesus dankt und Gott lobt und ehrt. Dann ist die Heilung vollendet.
Im griechischen Text wird noch deutlicher, dass es Jesus darum geht, denn der Satz „Gott die Ehre geben“ ist im Griechischen sprachlich hervorgehoben durch die vierfache Wiederholung des Anfangslautes d bzw. t: dounai doxan to theo. Gib Gott Lob.

Ignatius von Loyola hat eine Anleitung für geistliche Übungen geschrieben, die auch wir Evangelische schätzen. Er beginnt die Anleitung mit dem Satz: „Der Mensch ist geschaffen dazu hin, Gott, unseren Herrn zu loben, Ihm Ehrfurcht zu erweisen und zu dienen.“
Auch ich meine, dass wir Menschen erst zu unserem Glück und ganz zu uns finden, indem wir uns in diese Bestimmung heilsam einfinden: Gott, unsrem Vater im Himmel und Jesus Christus, seinen Sohn zu loben.
Ignatius von Loyola wusste: Es bedarf der lebenslangen Einübung in diese Haltung. Deswegen entwickelte er Übungen zum Innehalten.

Ein Bibelwort, das ebenfalls zu diesem 14. Sonntag nach Trinitatis gehört, fordert auf: „Dankt Gott in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Jesus Christus an Euch“.
Wir können Gott in manchen Lebensphasen nicht für alles danken - aber in allem danken, können wir immer. Dahin will die Heilige Schrift uns führen.
Wir brauchen Gott nicht für den Tod eines lieben Menschen danken, für eine Krankheit, an der wir schwer tragen, aber wir können ihm in allen Lagen und Situationen danken. Wir sind heute traurig, dass Ihre Oma, liebe Frau Beck, die Ordination nicht mitfeiern kann. Doch wir wissen Sie jetzt in guten Händen. Dafür sind wir Gott dankbar. Es half mir sehr, bei starken Schmerzen meditierend für jedes Körperglied zu danken, das nicht weh tut. Immer können wir Gott danken.

Heute fällt es uns leicht, denn wir haben viel Bedeutsames, wofür wir danken können:
Sie, liebe Bettina Beck und lieber Gundolf Beck sind ein so großer Grund zur Dankbarkeit.
Sie liebe Frau Beck in Fürth geboren, Sie lieber Herr Beck nicht nur im Norden, sondern in Norden. Wir sind dankbar, dass die religiöse Einführung in Elternhaus, Schule und Gemeinde so war, dass Sie beide sich jeweils vorstellen konnten, Theologie mit Blick auf den Pfarrberuf zu studieren.
Nachträglich betrachtet ist es ein Geschenk, dass Sie beide in Krelingen Ihr Sprachenstudium aufgenommen haben. Auch wenn Sie und ich Abstand suchen von gesetzlich-moralisch-engführender Frömmigkeit, so haben Sie doch dort nicht nur solche Frömmigkeit, sondern auch die guten Seiten der pietistisch-evangelikalen Strömungen intensiv kennengelernt.
Für Sie beide blieb zwar manches, was Sie dort erlebten, fremd. Denn Sie, lieber Herr Beck sind in einem volkskirchlichen Elternhaus groß geworden und Ihre Gemeinde in Aurich leitete weniger zu Glaubensübungen an, als zum ethischen Engagement. Sie sind dankbar - nicht für Fundamentalistisches – doch, dafür dass in Krelingen ein gutes Fundament gelegt wurde. Seitdem prägt Sie die Erfahrung, dass die Bibel uns zum Wort Gottes werden kann und Beten uns mit Gott verbindet.
Sie, liebe Frau Beck schätzen es schon in Ihrer Kindheit und Jugendzeit zu beten und Bibel zu lesen Doch auch Sie wurden durch das Kennenlernen von Menschen mit enger pietistische-evangelikaler Frömmigkeit fähig, Brücken zu bauen zwischen den verschieden Strömungen in einer Gemeinde und sie zu integrieren. Das ist eine zentrale Fähigkeit für unseren Dienst!
Außerdem haben Sie beide sich in Krelingen kennen und lieben gelernt. Wir preisen Gott für die Wege, mit denen er Sie geführt hat.

In Auseinandersetzung mit den Frömmigkeitsformen, die Sie kennengelernt hatten, studierten Sie beide mit Eifer Theologie in Leipzig und Göttingen. Wir sind dankbar für den großen Fundus an Wissen und für die Nachdenklichkeit, die Ihnen durch das Studium zugewachsen ist.
Beide Mentorate - das von Ihnen, lieber Gundolf Beck, bei Ihrem Mentor Dr. Hansjörg Schemann in Aschaffenburg und von Ihnen, liebe Bettina Beck, bei Ihrer Mentorin Susanna Arnold-Geißendörfer -waren durch viele Gespräche und wachsendes eigenverantwortliches pastorales Handeln eine wirklich gute Vorbereitung auf den Beruf.
Wir halten wie der zehnte Geheilte heute inne und sagen zu Gott dafür: DANKE!

Auch die Michelauer und Strössendorfer Kirchenvorsteher und Gemeindeglieder sagen gewiss danke und das ganze Pfarrkapitel und unsere katholischen Schwestern und Brüder.
Ich freue mich selbst auch etwas spitzbübisch. Denn wissend, dass die Personalabteilung zwei Stellen für ein Ehepaar brauchte in sinnvoller Entfernung, konnte ich unsere Verwaltung in München gut aus dieser Zwickmühle befreien und nannte neben Michelau auch Strössen-dorf/Altenkunstadt. Auch das hat sich gut gefügt. Gott hat es werden lassen. Wir geben ihm die Ehre.

Es ist ein grundlegend anderes Lebensgefühl, ob wir dankbar sind für das, was Gott getan hat, oder ob wir auf das schauen, was wir getan haben oder zu tun haben. Die meisten von uns arbeiten viel. Doch wir arbeiten anders, wenn wir dabei in der Haltung sind zu danken, was Gott schon geschenkt hat und noch schenken wird. Der Bauch entspannt sich, die Augen werden wieder fröhlich, die Hoffnung wird stark.
Indem wir diese Haltung einüben, dankbar zu sein in allen Dingen, schauen wir mitten im Alltag auf Gott, der geholfen hat und helfen wird. Wir entdecken sogar immer mehr Dinge und Ereignisse, für die wir dankbar sein können.
Natürlich braucht diese Dankbarkeit das Lob Gottes Zeit. Was hätte der Zehnte nicht alles tun können in der Zeit, in der er umkehrt und zurück zu Jesus läuft. Er hätte seine Verwandten besuchen können und ihnen erzählen können, dass er gesund ist. Er hätte sich neue Kleider kaufen können und andere zu einem Festessen einladen können.
Alles gut – aber das geht auch später. Die Zeit, innezuhalten und zurückzulaufen zu Jesus und zu danken für all das geschenkte Gute, die ist unersetzbar. Es ist die Zeit, die unsere Heilung vollendet. Nichts beugt besser dem Burn out vor – egal in welchem Beruf und in welcher Lebenssituation wir stehen, als die Zeit, in der wir zu Jesus umzukehren und ihm danken. Auch jeder Gottesdienst ist solch eine Zeit.

Sie beide singen immer wieder miteinander; Sie, lieber Herr Beck, nehmen Ihre Gitarre und singen – nicht nur, aber eben auch – Loblieder. Und Sie, liebe Frau, gesellen sich gerne dazu und singen  mit. Ihre schöne Stimme habe ich gerade neben mir wahrgenommen. Hören Sie beide bitte damit nicht auf. Die Zeit dafür ist unersetzbar.
Ja, die Geburtstagsbesuche stehen an, die Predigt will geschrieben werden und der Religionsunterricht ist auch noch nicht vorbereitet.
Doch ich bin mir sicher, Sie beide werden Ihre Pflichten nicht vernachlässigen, das sieht man Ihnen an. Die Gefahr ist für Sie, für mich, für uns alle viel größer, dass wir nicht mehr innehalten für unsere allererste Bestimmung, unsere innere Heilung – unser persönliches Lob Gottes. 
Sie haben im Singen Ihre persönliche Übung gefunden. Was immer Sie tun werden als Pfarrer und Pfarrerin, wird anders wirken, wenn die im Loben genährte Glaubensfreude aus Ihren Augen strahlt.

Wir halten heute inne als Gemeinden, als Kirche als Personen. Wir danken Gott für Sie beide. Wir danken ihm, dass er Sie bisher durch Ihr Leben geführt hat, für die vielen Gaben, die er Ihnen geschenkt hat und für Ihre Unterschiedlichkeit, in der Sie sich wechselseitig befruchten. Wir danken Gott, dass Sie heute öffentlich Ihre Bereitschaft erklären, in der Nachfolge Jesu Christi - auch beruflich - leben zu wollen. Wir danken Gott, dass Sie hier sind und Ihren Dienst der Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung in Michelau und Strössendorf/Altenkunstadt tun und diese Pfarrstellen vertreten werden.

Die Ordination, die heute geschieht ist selbst ein Grund zur Dankbarkeit. Die Ordination ist ja keine Stellenübertragung des Gemeindedienstes in Strössendorf und Michelau, - die Stellenübertragung wird so Gott will in drei Jahren sein.
Die Ordination hat lebenslange Gültigkeit.
Christus selbst ruft Sie in ein Leben in der Nachfolge. Er sendet Sie in den Dienst der öffentlichen Wortverkündigung und Sakraments-verwaltung aus dem sich seine Kirche aufbaut. Er segnet Sie für Ihren Dienst und Ihr ganzes Leben.
Er selbst handelt in der Ordination an Ihnen, heilsam und stärkend. 
Darum singen wir nach der Ordination – dankbar für Ordination und Ordinierte:
Dass Du mich einstimmen lässt in Deinen Jubel oh Herr, Deiner Engel und himmlischen Heere. Das erhebt meine Seele zu Dir großer König, Lob sei Dir und Ehre.
Amen.