Ordination von Dominik Rittweg

Predigt von Frau Dr. Greiner zur Ordination von Pfarrer Dominik Rittweg am 3. 10.2018 in Marlesreuth

Liebe Festgottesdienstgemeinde, vor allem lieber Dominik Rittweg,

bevor ich mich an Sie wende, lieber Ordinand Dominik Rittweg möchte ich doch ein Wort an die Marlesreuther richten:
Ihr Marlesreuther seid eine wirklich tapfere Gemeinde mit einem weisen Kirchenvorstand. Alle Achtung, wie hier - zwar mit Tränen in beiden Augen, doch mit festem Herzen - das altgediente Pfarrhaus aufgegeben wurde. Es war eine schmerzhafte doch richtige Entscheidung.
Gerade weil Ihr so tapfer seid, wollte ich Euch nicht lange ohne Pfarrer lassen. Zudem gab es einen Vikar, geboren in Bernstein, zur Schule in Naila gegangen, verheiratet mit einer hier berufstätigen Frau, der als Pfarrer in den Landkreis Hof wollte: Dominik Rittweg.
Daraus eine Win-Win-Win-Sitiation zu machen für Euch Marlesreuther, die Familie Rittweg und den ganzen Dekanatsbezirk, das war mein Anliegen zusammen mit Dekan Maar. Und Gott hat das Gelingen geschenkt.
Nun sind Sie da, lieber Dominik Rittweg, als Pfarrer von Marlesreuth, mit Aufgaben der Seelsorge in Steinbach und des Präparanden- und Konfirmandenunterrichts in Geroldsgrün sowie der Jugendarbeit im ganzen Dekanatsbezirk. Mit voller Kraft werden Sie diese Fülle an Aufgaben erst angehen können, wenn das Pfarrhaus in Naila bezugsfertig ist und Sie dort wohnen.
Möge Ihnen diese Region auf neue Weise zur Heimat werden und möge es der ganzen Familie als Pfarrfamilie gut gehen, Ihnen, liebe Frau Rittweg und Ihrer gemeinsamen Tochter Mathilda.

Das Bibelwort, das Grundlage meiner Predigt ist, haben wir vorhin gehört.
„Du bist nicht fern vom Reich Gottes!“, sagt Jesus einem Schriftgelehrten, der zu ahnen beginnt, dass in Jesus Gott selbst ihm nahe kommt. Offensichtlich gibt es das, dass Menschen dem Reich Gottes fern oder nah sein können.
In Ihrem Leben, lieber Dominik Rittweg, gab es eine Zeit der Distanz zu Jesus, zum Reich Gottes. Sie wuchsen in Bernstein auf, gingen behütet in Kindergottesdienst und Jungschar. Doch dann kam eben eine Krise und Sie wandten sich von alledem ab, wollten von Kirche und Gott nichts mehr wissen.
Aber Gott hat Sie nicht aus den Augen verloren. Er hat Ihnen Miriam, die Frau für´s Leben im doppelten Sinne geschenkt. Miriam nahm Sie in einen Hauskreis mit; und so fanden Sie wieder Zugang zum christlichen Glauben - sogar sehr intensiv. Sie besuchten eine Jüngerschaftsschule bei `Jugend mit einer Mission´ in Herrnhut.

Es war ausgerechnet eine Erfahrung im Ausland, die Ihre Berufung für die Verkündigung in Deutschland festigte. Auf einem Missionseinsatz in Nepal trafen Sie Tibeter, verfolgte Christen, die bereit waren für ihren Glauben alles aufzugeben. Der Kontrast zu den Westeuropäern, die sich dort auf einer spirituellen Reise befanden - auf der Suche nach Sinn und Heilwerden - wurde Ihnen überdeutlich. Diese spirituellen Touristen suchten Wasser an fremden Brunnen, weil sie zu Hause in Deutschland nie einen Zugang zum Wasser des Lebens, zu Christus gefunden hatten. Ihnen wurde klar: Mein eigenes Land braucht Mission. 

Ihre Leidenschaft ist es, dass andere Menschen Reich Gottes erfahren können, erfahren können, wie durch Christus das Leben heil wird.
Sie studierten Theologie in Neuendettelsau und Erlangen. Durch ein Praktikum im Amt für Gemeindedienst begannen Sie zu ahnen, dass ihre Leidenschaft im Pfarrberuf Gestalt gewinnen kann. Im Rahmen dieses Praktikums fuhren Sie nämlich nach Fulda auf ein Netzwerktreffen von Church Convention. Dort erlebten Sie junge Pfarrer mit einer christus- und kirchenliebenden missionarische Haltung.
Auf dem Rückweg beschlossen Sie zusammen mit anderen eine Church-Convention-Regionalgruppe für Bayern zu gründen - also ein Regionalgruppe aus Pfarrern und Theologiestudierenden, die eine mission-shaped Church wollen; eine Kirche für die Mission Lebenselixier, Grundprägung und Profil der Gemeindearbeit ist.
Wenn Sie mich fragen, was ich davon halte, dann sage ich: Gut so. Gott sei Dank. Endlich. Unsere Kirche braucht eine echte missionarische Bewegung.
Willkommen Dominik Rittweg als Pfarrer mit dieser Leidenschaft, die alle Tätigkeitsfelder durchziehen wird - auch den ganz regulären normalen Gemeindegottesdienst und alles, was Sie im Vorbereitungsdienst in Konradsreuth beim Pfarrersehepaar Daniela und Florian Herrmann und durch die Gemeinde gut gelernt haben.

Gerade, weil Dekan Maar und ich diese missionarische Gabe schätzen, haben wir auch nach Wegen gesucht, dass Sie Freiraum haben - in Kooperation mit den Kirchengemeinden, der landeskirchlichen Gemeinschaft, dem CVJM, dem, der Christusbruderschaft, mit Musikbegabten, eben mit den Kräften hier in der Region – eine Jugendarbeit zu entfalten, die sich im ganzen Dekanatsbezirk Naila auswirken kann. Der Dekanatsausschuss wollte das ausdrücklich. Auch die Kollegen Dr. Graf und Dr. Hohenberger haben sich dabei auf Veränderungen eingelassen, weil alle den Bedarf sehen.

Unser Bibelwort des heutigen Sonntags passt darum so gut zu Ihnen, lieber Herr Rittweg, weil es Ihr Missionsverständnis wiedergibt. Sie wollen nicht nur einladen zur Liebe zu Gott, sondern auch zur Liebe zu den Menschen. Und was Sie treibt, ist die Liebe zu Gott und zu den Menschen. Es ist ja gerade auch das Proprium unseres christlichen Glaubens, dass immer beides zusammen gehören muss.

Viele meinen, das Doppelgebot sei insgesamt von Jesus neu formuliert worden. Falsch.
Im 5. Buch Mose, Kapitel 6 lesen wir: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all Deiner Kraft.“
Für jeden Juden zur Zeit Jesu war dieser Satz, auch „Schema Jisrael“ genannt, Grund- und Kernbekenntnis.
Zudem lesen wir im 3. Buch Mose wortwörtlich: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
Beide Teile des Doppelgebotes sind also im Alten Testament schon vorhanden. Das Neue der Lehre Jesu ist, dass er beide zusammenfügt und sagt: Beide sind zusammen das höchste Gebot.
Nichts geht über die Liebe zu Gott und den Menschen, die miteinander verwoben sind.
Sie, lieber Herr Rittweg, haben mir aus dem Herzen gesprochen als Sie in unserem Ordinationsgespräch davon sprachen, dass Sie zwei Fehlentwicklungen sehen:
Erstens eine Diakonie, die zwar Liebe zum Menschen zeigt, bei der aber die Liebe zu Gott allenfalls zu ahnen ist, weil sie nicht mehr zur Sprache gebracht wird.
Zweitens eine Mission, die nur im Kopf hat, dass Menschen sich zu Christus bekehren sollen, die sich aber um das Wohl dieser Menschen nicht kümmert, als ob mit dem Glauben an Christus alle Probleme gelöst wären.
Beides sind Fehlwege - auf dem einen fehlt die Liebe zu Gott, auf dem anderen die Liebe zum Menschen.
Was haben manche Pietisten in ihrer Gesetzlichkeit schon kaputt gemacht, sodass Menschen sich abwandten vom Glauben, weil keine echte Liebe zu spüren war. Und was hat unsere Kirchen und ihre Diakonie schon versäumt - in diakonischen Einrichtungen oder auch im Schulunterricht -, weil sie es unterlassen hat die Liebe zu Gott ins Herz zu tragen durch mangelnde Einübung ins Beten, Singen und Hören auf ein biblisches Wort.

Letztendlich verhalten sich die Liebe zu Gott und zum Menschen wie die beiden Flügel eines Vogels. Fliegen kann der Vogel nur, wenn er beide Flügel hat und nutzt. Sonst ist er lahm und „ghört der Katz“.
Jesus weist uns einen neuen Weg, den Weg, auf dem Gottesliebe und Menschenliebe sich wechselseitig beflügeln.
Diese missionarisch-diakonische Haltung gibt es ja in der Diakonie und in der Kirche. Sie gilt es zu stärken!
Diesen missionarisch-diakonischen Weg wollten Sie gehen, lieber Dominik Rittweg, als Sie zusammen mit anderen mit einem Doktoranden aus Indien in Nagaland, Ostindien, ein Waisenhaus gründeten. Diesen Weg wollen Sie gehen in Ihrer Jugendarbeit hier im Dekanatsbezirk.
Rückblickend erweist es sich als Gnade, dass Sie als Jugendlicher eine Zeit hatten, die Sie selbst als destruktiv bezeichnen. Dadurch schrecken solche „schwierig“ wirkenden Jugendliche Sie nicht, sondern fordern Ihre Liebe heraus.

Liebe Marlesreuther, Steinbacher, Geroldsgrüner, Nailaer - liebe Gemeinde, Dominik Rittweg ist nicht der Heiland, der in der Jugendarbeit alles richten wird und in der Seelsorge alle trösten wird. Trotz seiner Gaben, vielleicht sogar wegen seiner Gaben wird er Fehler machen. Er wird Eure Liebe brauchen.
Geht mit ihm den Weg wachsender Gottesliebe und wachsender Menschenliebe. Das ist der Stoff aus dem Gott sein Reich baut. Wohl gemerkt: Gott baut sein Reich; keiner von Euch und Dominik Rittweg nicht. Gott baut sein Reich und er fängt bei Euch an, lässt Eure beiden Flügel wachsen und macht sie stark. Das Reich Gottes ist mitten unter Euch, wenn und weil Christus in Eurer Mitte ist, der Euch nicht nur aufruft zu dieser doppelten Liebe, sondern sie in Euch weckt und stärkt.

Heute, lieber Dominik Rittweg, werden Sie ordiniert. Das bedeutet ein Dreifaches:
Erstens: Christus ruft Sie, er meint Sie so wie Sie sind. Er ruft Sie in die Liebe zu ihm.
Zweitens: Christus sendet Sie zu den Menschen, seine Liebe erfahrbar zu machen in Wort und Sakrament und echter Zuwendung.
Drittens: Christus segnet Sie, füllt Sie mit seiner Liebe und schenkt Ihnen was Sie brauchen. Ruf, Sendung und Segen gelten Ihr ganzes Leben. Und Sie werden erfahren, dass die Liebe wachsen kann, die Liebe zu Gott und den Menschen, lebenslang. ER wird es tun.
Amen.