Ordination von Jennifer Ebert am 26.07.2015

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zu Matthäus 5,14 in der Laurentiuskirche Thurnau

„Ihr seid das Licht der Welt.“

Liebe Gemeinde!
Ihr alle hier im Kirchenraum, Ihr seid Licht der Welt. Ihr Gemeindeglieder aus Thurnau und Limmersdorf, aus dem Dekanatsbezirk, Ihr Assistenten, Freunde, Familienmitglieder von Jennifer Ebert, Sie lieber Herr Ebert und Sie liebe Ordinandin Jenniffer Ebert – Ihr alle seid Licht der Welt.
Das vorhin vorgelesene Evangelium ist sehr klar. Jesus sprach diese Worte nicht nur dem erlauchten Jüngerkreis zu. Vielmehr malt Matthäus folgendes Bild:
Viele, viele Menschen kommen – ähnlich wie heute. Weil es so viele sind, steigt Jesus auf einen Berg, sozusagen eine Naturkanzel, damit er von allen gesehen werden kann und dann hält er eine lange Rede, die so genannte Bergpredigt. All den Menschen, die um ihn herum und unter ihm lagern, denen sagt er: Ihr seid das Licht der Welt. Natürlich meint er damit auch seine Jünger, doch er unterscheidet nicht zwischen Jüngern und Volk, sondern meint alle, die gekommen waren um ihn zu hören.
Wahrscheinlich liegt es genau daran, am Hören. In dem Moment, in dem die Menschen hören, was Jesus ihnen sagt, wandelt sich etwas in ihnen, da wird es licht und hell in ihnen:
•    Die Angst weicht neuem Selbstvertrauen, weil  Gottvertrauen wächst.
•    Leistungsdruck weicht der Gewissheit: Jesus achtet mich, auch wenn ich kleines Licht immer wieder hinter meinen eigenen Wüschen und Erwartungen zurück bleibe.
•     Sinnarmut im Leben weicht dem Erstaunen: Jesus braucht mich wirklich.
Liebe Gemeinde, die Sie gekommen sind. Zwar bin ich gewiss nicht Jesus und vergleiche mich nicht mit ihm. Doch ich richte seine Worte aus, sage sie weiter. Und deswegen sage ich Euch: Ihr seid das Licht der Welt. Ja, Jesus braucht Euch. Er ist das Licht der Welt und er traut Euch zu, dass Ihr sein Licht weitergebt an Eurem Ort, sodass es heller wird, dort wo Ihr arbeitet, wo Ihr lebt, eben wo Ihr seid.
Wie kann das sein? Nur dadurch, dass Ihr Euch von ihm und seinem Geist anstecken lasst wie eine Kerze. Er ist nicht nur das Licht, dass Euch entfacht. Sondern er ist auch das Wachs, die Nahrung für Docht und Flamme, damit Euer Glaube, und Eure Liebe und Eure Hoffnung Nahrung und Kraft haben bis Euer Leben sich dem Ende zuneigt.

Liebe Jennifer Ebert, wenn nun alle hier im Raum zugesprochen bekommen, Licht der Welt zu sein. Was sind dann Sie und ich? Wir sind nichts Besseres, unsere Kerze ist nicht größer oder dicker. Was gäbe es auch Größeres als „Licht der Welt“ zu sein. Wir reihen uns ein:
Wir alle hier im Raum, die wir getaufte Christen sind, haben die Gabe und die Aufgabe in der eige-nen Familie und im eigenen Freundes- und Bekann-tenkreis das Licht des Glaubens weiter zu geben und zu tun, was Jesus tat und durch uns tun will.
Was bedeutet das konkret? Drei Beispiele:
•    Jesus hat allen im Volk vergeben, selbst als das Volk unter seinem Kreuz stand und spottete. Er traut uns zu, dass wir Menschen vergeben, bevor sie uns um Vergebung gebeten haben.
•    Jesus brachte dem Volk bei, das Vaterunser zu beten und alles dem Vater im Himmel anzuvertrauen. Er traut uns zu, dass wir denen, die nicht beten, helfen das Beten zu lernen: Unseren Kindern, Enkelkindern, einer Freundin, einem Nachbarn, der aus den neuen Bundesländern zugezogen ist. Der freut sich vielleicht auch über ein Gebet auf einem Kärtchen, das wir ihm schenken.
•    Jesus hat das Gewissen der Menschen geschärft. Sein Ruf selbst die Feinde zu lieben, hat sich allen eingeprägt. Er traut uns zu, dass unser Gewissen wach wird, wenn fremden-feindliche Töne in den Worten eines Menschen, der mit uns spricht, anklingen. Da sollen wir widersprechen und sei es stotternd.
Licht der Welt sein? Wir haben die Welt bei uns zu Gast. Wir alle sind Licht, wenn wir denen, die aus der weiten Welt kommen, ein Lächeln schenken und die Unterstützer-gruppen, die für Flüchtlinge da sind, loben und unterstützen, so gut wir können. Der Staat schafft diese riesige Herausforderung nicht allein.

Das ist also unser aller Aufgabe - Jennifer Ebert und mich eingeschlossen – Licht der Welt sein. Jeder Christ ist Licht in seinem Lebensumfeld. Möge es geschehen, dass der Funke des Glaubens und der Liebe und der Hoffnung von Generation zu Generation überspringt in unseren Familien durch den Wind des Heiligen Geistes in uns.

Der einzige – freilich wichtige Unterschied zwischen Christenvolk und Ordinierten  ist es, dass Ordinierte dies alles auch in der Öffentlichkeit tun.  Sie sprechen nicht nur am Mittagstisch von Jesus, sondern auf der Kanzel und am Grab vor allen Menschen. Sie geben das Wort Jesu weiter in aller Öffentlichkeit. Und sie teilen die Sakramente aus an Einheimische und Flüchtlinge. Sie bringen nicht nur ihr eigenes Kind zur Taufe, sondern taufen das Kind anderer Menschen. Die besondere Aufgabe, den Glauben an Jesus Christus in der Öffentlichkeit zu verbreiten durch Wort und Sakrament wird in unserer Kirche durch Ordination anvertraut.
In der Aufgabe, öffentlich vor fremden Leuten von Jesus Christus zu reden, stehen wir in der Tradition Jesu, der Jünger und Apostel. Jesus sandte seine Jünger und sagte Ihnen: „Lehrt sie halten alles, was ich Euch befohlen habe“. Sie, liebe Frau Ebert sind nun Lehrerin des Christenvolkes und treten damit auch in Jesu Fußstapfen in der Öffentlichkeit. Sie richten anderen aus, was er Ihnen anvertraut hat.
Zu predigen und den Menschen zu sagen: „Du bist Licht der Welt; Christus braucht Dich; gib sein Licht weiter“ – ist notwendig. Jeder Christ braucht Predigt, um im Glauben zu wachsen.
Und so sitze ich auch, wenn ich keinen Gottesdienst halte, unter der Kanzel und lass mir das Evangelium zusagen von einem anderen ordinierten Menschen.  Ich reihe mich ein ins Volk und bin dankbar, wenn jemand mir zusagt: „Du bist Licht der Welt“. Dann wundere ich mich und kann es selbst kaum glauben, dass Jesus mich so wichtig nimmt. Da geht es mir nicht anders als Ihnen. Es ist doch wundersam dieses Zutrauen Jesu zu uns.

Liebe Thurnauer und Limmersdorfer für Sie ist diese Ordination von Jennifer Ebert aber ein wenig anders als die Ordinationen sonst. Normalerweise ist das folgendermaßen, wenn eine junge Pfarrerin ordiniert wird: Sie wird von unserer Kirche entsandt auf eine Pfarrstelle und bevor sie dort öffentlich predigen und die Sakramente verwalten darf, muss sie ordiniert werden. Niemand kennt sie im Ort und im Dorf. Niemand weiß in der Gemeinde, wie sie in der Schule war, was sie als Kind für Eigenheiten hatte, ob sie als Jugendliche über die Stränge geschlagen hat oder ganz brav war. Sonst weiß das niemand – aber von Jennifer Ebert wissen das doch etliche hier. Sie ist ja eine aus dem Volk, um wieder die Situation der Bergpredigt aufzunehmen. Dass Ihre Jenny nun auch auf der Kanzel stehen soll und am Altar und am Grab? Merkwürdig.
Ähnlich merkwürdig ist das ja auch, wenn jemand aus der eigenen Gemeinde, aus dem eigenen Dorf, die Prädikantenausbildung macht, beauftragt wird und dann ebenfalls der Gemeinde gegenüber steht und verkündigt.
Und dann merkt man doch, der oder die hat ja etwas zu sagen. Er oder sie sagt, was unsere Seele nährt und uns im Leben orientiert. Gott segnet durch ihn, durch sie die ganze Gemeinde.
Es ist wichtig, dass sich unser Bild von Menschen wandeln und hinzugewinnen kann, erst Recht bei einer jungen Frau, die nicht mehr das kleine Mädchen von früher ist.

Unsere Kirche traut Jennifer Ebert dieses Amt der öffentlichen Wortverkündigung und die Feier der Heiligen Sakramente zu, die Seelsorge, das Unterrichten in der Schule und die Leitung einer Gemeinde – auch wenn sie jetzt aus persönlichen Gründen noch keine Gemeindeleitung überneh-men wird. Sie bringt viele Gaben mit: Sie kann gut zuhören und Geäußertes aufnehmen. Was sie sagt, ist durchdacht. Es macht Freude mit ihr im Gespräch zu sein und über Menschliches und Theo-logisches zu reden. Im Elternhaus, im Ministranten-dienst, in der Evangelischen Jugend, im Studium in Erlangen und Prag, im Vorbereitungsdienst bei Mentor Dinter hat sie viel an theologischer und geistlicher Substanz gewonnen, die sie bescheiden und demütig macht.
In ihr brennt der Ruf Jesu Christi, das Evangelium das sie selbst so frei und froh gemacht hat, weiterzusagen mit allen Mitteln der Kunst, zu allen Zeiten, in allen Räumen.
Dazu  ist sie bodenständig und handfest, hat sie doch sogar bei der Kunstschreinerei Bartels hier in Thurnau eine Schreinerlehre absolviert. Und zugleich ist sie ein kluger Kopf und hat einen festen Willen. Darum plant sie eine Doktorarbeit zu schreiben bei Professor Schoberth in Erlangen. Ihr Thema lautet: „Der gegenwärtige Christus angesichts der Gegenwart des Volkes Israel“.  Dies geschieht im Kontext einer wissenschaftlichen Stelle bei der Deutschen Forschungsgesellschaft.
Trotz Stelle und Doktorarbeit, Ehe und Kinder will sie in ihrem eigentlichen Beruf, dem Pfarrberuf, ehrenamtlich im Dekanatsbezirk tätig sein. Dafür sage ich herzlich „Danke“ Ihnen, liebe Jennifer Ebert und dem ganzen unterstützenden System, dem Ehemann und den Großeltern.
Ihre Ordination, liebe Frau Ebert, d.h. die Berufung, Segnung und Sendung, gilt ab heute das ganze Leben lang bis zum Tod. Sie verbindet sich mit Ihrem Leben. Der Ruf Jesu wird in Ihnen wirken, die Sendung Jesu wir Ihr Leben ausrichten und sein Segen wird Ihren Dienst fruchtbar machen, ob Sie im Ehrenamt tätig sind oder später auf Pfarrstellen oder dann wieder im Ehrenamt im Ruhestand.
Es gibt für Pfarrer und Pfarrerinnen immer mehr als genug zu tun und so wird Ihr Dienst, liebe Frau Ebert, sehr begehrt sein. Sie werden selbst gut Grenzen ziehen müssen, damit Familie, Doktor-arbeit und wissenschaftliche Stelle nicht zu kurz kommen.
Ausbrennen darf niemand. Darum gönnen Sie sich selbst auch genügend Regeneration für Leib und Seele, für die Flamme in Ihnen, für Ihre Liebe, Ihre Hoffnung, Ihren Glauben. Christus selbst, das Licht der Welt scheine in Ihnen und durch Sie, wo immer Sie sind – in Familie und Dienst - Ihr ganzes Leben lang. Amen.