Ordination von Lidia Barth am 3. Sonntag vor der Passionszeit am 17.2.2019

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zu Matthäus 20,1-16 und Römer 8, 28 in der St. Johannis-Kirche zu Forchheim

Liebe Festgottesdienstgemeinde, vor allem liebe Lidia Barth,
Meist findet eine Ordination am ersten Einsatzort eines Pfarrer bzw. einer Pfarrerin statt. So ist es eine große Ausnahme und ich nehme an auch eine Freude für die Gemeinde St. Johannis, die Ordination ihrer Vikarin zu feiern. Das bietet sich in diesem Fall besonders an, denn Sie, liebe Frau Barth, gehen nach dem Vorbereitungsdienst nicht auf eine Gemeindepfarrstelle, sondern in ein so genanntes Spezialvikariat zur Stadtmission Nürnberg, also zur Diakonie. Daher haben Sie mich darum gebeten, die Ordination vorher zu vollziehen.
So kann Ihre Vikariatsgemeinde und Ihr Mentor Enno Weidt Ihnen auch heute nochmals kräftig Rückenwind geben für Ihre Sendung in den Dienst der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung

Auch das Evangelium des Sonntags handelt von der Sendung. Gott selbst sendet Arbeiter in seinen Weinberg. Die Arbeiter im Weinberg sind das typische Bild schlechthin für alle Menschen, die – über das ehrenamtliche Engagement hinausgehend - auch ihre berufliche Arbeitskraft  in den Dienst des Reiches Gottes stellen – so wie Sie, liebe Frau Barth. Insofern ist das ein sehr passendes Evangelium für diesen Sendungsakt der Ordination, der heute geschieht.
Was kann dieses Evangelium also Ihnen als Arbeiterin im Weinberg des Herrn sagen?
Erstens: Alle, die der Weinbergsbesitzer sendet, bekommen auskömmlichen Lohn, gewiss mehr als den Mindestlohn. Offensichtlich waren die, die sich schon früh morgens senden ließen, sehr einverstanden mit dem vereinbarten Silbergroschen. Sie, liebe Frau Barth, werden von Gott bekommen, was Sie zum Leben brauchen.
Zweitens: Manchmal höre ich, dass Pfarrer sagen: Der arbeitet viel weniger als ich und bekommt das gleiche Gehalt. Ungerecht ist das schon. Doch: Vergleichen macht unglücklich. Ohne Vergleichen werden Sie unvergleichlich glücklich in Ihrer Aufgabe. Arbeiten Sie, so wie es Ihrer Aufgabe entspricht und Ihrer Verantwortung vor Gott und den Menschen.
Drittens: Gott hört offensichtlich nicht auf, nach Arbeitern im Weinberg zu suchen. Ihr Jugendlichen hier im Raum. Vielleicht wäre es auch etwas für Euch Pfarrer oder Diakonin oder Religionslehrer zu werden. Liebe Frau Barth, halten Sie mit Ausschau nach Menschen, die im Weinberg Gottes arbeiten.
Viertens: Lassen Sie sich tagtäglich überraschen von Gottes Gnade. Die überraschende Freigiebigkeit und Gnade Gottes ist doch die eigentliche Pointe der Geschichte. Er gibt dem Arbeiter, der morgens begonnen hat seinen versprochenen vollen Lohn. Aber er gibt allen anderen viel mehr als sie erwarten können. Er gibt auch denen, die später kommen, den vollen Betrag.
Gott ist viel gnädiger, viel schenkender, als die allermeisten es erwarten könnten.
Diese Geschichte steht am Anfang Ihres Dienstes als Geschichte von der unberechenbaren Gnade Gottes – seiner Freude am Beschenken. Er wird auch Ihnen mehr geben als Sie erwarten können.

Gottes schenkende Güte und Gnade haben Sie bisher schon in Ihrem Leben gespürt. Schauen wir auf Ihr Leben, liebe Frau Barth. Sie wurden in Sacele geboren und auch getauft. Dort in der lutherischen Gemeinde in Rumänien war es nicht üblich wie hier bei uns, einen biblischen Spruch zur Taufe zuzusagen. Doch in gewisser Weise haben Sie nachträglich sich einen Spruch ausgesucht, der wie ein Leitspruch zu Ihrem bisherigen Leben passt und gewiss auch weiter ihr Leitspruch sein wird.
Er steht im Römerbrief Kapitel 8, Vers 28. Paulus hat ihn geschrieben. Er gibt damit seine Lebensweisheit preis: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.“ Diesen Spruch haben Sie sogar auf die Einladungskarte zu ihrer Ordination gesetzt.
In diese Liebe zu Gott, sind Sie von kleinauf hinein gewachsen in Ihrem kirchlichen, frommen Elternhaus in Siebenbürgen, Rumänien, am Fuß der Karpaten.
Freilich ist manches als Kind gar nicht so einfach, wenn man in einem rumänischen, orthodox geprägten Land zur Minderheit der ungarisch sprechenden Lutheraner gehört. Man ist leicht ein Außenseiter. Doch durch die Liebe zu Gott, ist Ihrer Seele kein Schaden erwachsen. Sie haben Gott, wie im Evangelium immer als gnädigen, schenkenden Gott erfahren.
Ihre Eltern ermöglichten Ihnen, mit 15 Jahren ans Gymnasium nach Budapest zu wechseln. Mit 15 allein in einer fremden Stadt. Da kann man schon auf dumme Gedanken kommen. Doch stattdessen wurden Sie ein selbstständige junge Frau. Ihre vertrauende Liebe zu Gott und das menschlich und geistlich sehr gut geleitete Wohnheim trugen dazu bei, dass diese Zeit Ihnen zum Besten diente.
Ein Schulpraktikum führte Sie zu einem Jugendpfarrer in Schwerin, der Begeisterung für den Pfarrberuf, die Arbeit für Gott und Menschen ausstrahlte. Als er Ihnen am Ende des Praktikums zutraute, am Altar die Fürbitten und das Vaterunser zu sprechen, spürten Sie, dass Sie Ihren beruflichen Platz gefunden hatten, am Altar als Pfarrerin. Der Hausseelsorger ihres Wohnheims half Ihnen diesen Berufswunsch zu durchdenken.
Sie studierten Theologie in Budapest. Ihre siebenbürgische Heimatkirche wollte, dass Sie an der 3. Ökumenischen Jugendvollversammlung (in Hermannstadt) teilnehmen und so mussten Sie zu einem Vorbereitungstreffen nach Amelungsborn. Dort lernten Sie Ihren zukünftigen Mann, Gunther Barth, kennen, der in Erlangen lebte. Kurz zuvor hatten Sie sich zum Weiterstudium in Erlangen entschlossen.
„Ich habe immer Engel an meiner Seite“, so sagen Sie im Blick auf diese und andere Fügungen in ihrem Leben. Sie sehen das Positive, waren von kleinauf ein Sonnenkind und strahlt bis heute Freude aus. Wird diese Freude einmal vergehen? Ich glaube nicht, denn sie rührt letztendlich aus Ihrer Liebe zu Gott durch die sich alles zum Besten wendet in Ihrem Leben.
In dieses Bibelwort können Sie auch alles Schwere in ihrem Leben einordnen und alle Herausforderungen, die Sie zu meistern hatten. Dazu gehört, dass Sie zweimal die Staatsbürgerschaft wechselten von Rumänien nach Ungarn und dann nach Deutschland, kulturelle Hürden überwinden und auch Formalia bewältigen mussten, etwa die Aberkennung von drei Semestern ihres Studiums in Budapest. In allem aber war die Liebe zu Gott und auch seine Berufung stärker.

Auch den zukünftigen Einsatzort interpretieren Sie schon mit diesem Bibelwort. Sie sind sich gewiss, das Ihnen auch die Herausforderungen dort im Spezialvikariat zum Besten dienen werden; wenn Sie etwa Bekanntschaft machen mit Menschen, denen Sie sonst kaum begegnen würden, Menschen mit Handicap, Obdachlose, Arbeitslose. Sie wissen: Es ist wichtig für eine Pfarrerin die Scheu vor dem Kontakt mit all diesen Menschen zu verlieren und zu lernen, was unser Menschsein wirklich ausmacht.

Liebe Gemeinde, nun habe ich von Lidia Barth erzählt und ihrem Weg. Natürlich ist ein Weg, der ist geistliche Amt führt, in besonderer Weise von der Beziehung zu Gott geprägt. Doch der Spruch des Paulus gilt letztendlich allen Menschen. Allen, die Gott lieben, werden alle Dinge zum Besten dienen. Ein Vergleich mit anderen hat – so haben wir im Evangelium gelernt keinen Wert. Vergleichen macht unglücklich. Gott schenkt jedem von uns genug zum Leben. Er sorgt für uns. Die Liebe zu ihm, wird uns glücklich machen, weil dadurch Sinn und Lebensfreude unwillkürlich zunehmen. Dass das geschieht, ist freilich eine große Gnade. Das größte Geschenk, das Gott uns machen kann in unserem Leben ist die Liebe zu ihm. Sie ist ja der Quell unseres Glücks.
Als Arbeiterin im Weinberg wird es Ihre Aufgabe sein, Menschen die Augen aufzumachen für die Gnade und Fürsorge Gottes und sie mitzunehmen in die Liebe zu ihm.

Heute werden Sie ordiniert. Die Ordination ist eine Sendung in den Dienst als Arbeiterin im Weinberg. Sie ist aber auch eine Berufung und eine Segnung. Diese Berufung ist zuallererst die Berufung in diese Liebe zu Gott, durch die uns alle Dinge zum Besten dienen werden. Erst in zweiter Hinsicht ist sie dann auch eine Berufung zur öffentlichen Wortverkündigung und Feier der Sakramente. In diesen Dienst senden wir Sie heute.
Keine Sendung ohne Segen. Gott wird mit Ihnen sein, wird Ihre Liebe zu ihm und den Menschen wachsen lassen und wird Ihnen alle Weisheit und Kraft geben, damit Ihr Dienst im Weinberg Frucht bringt.
Berufung, Sendung und Segnung gelten für die Zeit Ihres Spezialvikariates für die ganze Zeit Ihres aktiven Dienstes, ja sogar im Ruhestand. Wie die Taufe, so gilt die Ordination lebenslang.
An welchen Weinstöcken Sie arbeiten im Laufe Ihres Berufslebens wird sich zeigen. Immer aber wird es Weinberg Gottes sein. Und immer wird er Sie überraschen mit seiner Gnade, seinen Engeln, mit seiner Liebe zu Ihnen. Amen.