Ordination von Michael Thiedmann

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zu 2. Mose 3, 1-12a am 16.09.2018 in Burgpreppach

Liebe Gottesdienstgemeinde, vor allem lieber Michael Thiedmann,

Bei Ordinationen nehme ich fast immer ein Bibelwort des Ordinationssonntags zur Grundlage meiner Predigt. Doch im August war ich eine Woche in Schweigeexerzitien. Da hat man viel Zeit zum Beten und Bibellesen. Eine biblische Geschichte leuchtete mir besonders ein und ich dachte dabei an Sie und Ihre Ordination. Es ist die Geschichte von Moses Berufung, von Moses Ordination. Denn diese Geschichte erzählt von dem, was in jeder Ordination geschieht: Gott beruft, sendet segnet. Dort und damals Mose; hier und heute Michael Thiedmann.
Schauen wir uns dieses Berufen, Senden und Segnen in drei Schritten an.

Erstens: Gott beruft. Seine Berufung zielt immer auf die Person, noch nicht auf eine Aufgabe. Gott ruft: „Mose, Mose“, und Mose antwortet: „Hier bin ich“.
Heute ruft er Sie, lieber Michael Thiedmann, und Sie sind hier mit der Haltung: „hier bin ich“.
Wenn Gott einen Menschen beruft, dann meint er wirklich den ganzen Menschen. Er meint Sie mit Haut und Haar, auch Barthaar, mit allen Ihren bisherigen Erfahrungen und all Ihren noch wandelbaren Vorstellungen von der Zukunft. So wie Sie sind, so will er Sie, so ruft er Sie. Wohin? In die Beziehung zu sich.
Sie sind da. Sie knien heute nieder, nicht vor mir, sondern, wie Mose, vor und in der Gegenwart des lebendigen Gottes.

Unsere Geschichte beschreibt, wie Gott ist, vor dem Sie knien: Gott sieht, wie sein Volk leidet, er hört wie es schreit dort in der Sklaverei in Ägypten. Er ist ein Gott, der wahrnimmt, empfindsam ist und helfen will. Gott spricht: „ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie … hinaufführe in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt.“
So ist Gott: empfindsam, er nimmt Leiden wahr, will retten und in ein gutes, weites Land führen - auch im übertragenen Sinne. Er will sein Volk, all die Menschen, die er liebt - und das sind Sie alle, die Sie hier im Kirchenschiff sitzen - er will Sie führen in ein weites Land, in dem Milch und Honig fließen. Das bedeutet, er will Sie führen in ein Leben, das viel mehr Gutes beinhaltet, als Sie sich vorstellen können. Daran ändern auch Wüstenstrecken nichts.
Freilich, irgendwann ist jedes Leben zu Ende, auch das schönste. Irgendwann sterben wir. Doch selbst dann, ja gerade dann, will er uns aus dem Tod befreien und zu sich holen in das Leben bei ihm.
So ist Gott. Er will befreien und eine wirklich gute Zukunft schenken. Das will er - und das tut er bei allen, die sich von ihm führen lassen.
Von unserem leidsensiblen, rettenden Gott, - und zu ihm hin - haben Sie, lieber Michael Thiedmann, sich rufen lassen.

Gott sendet. Während die Berufung den Menschen meint und ihn in die Gottesbeziehung zieht, gilt die Sendung einer Aufgabe, die es zu erfüllen gilt.
Für Mose hat Gott eine große Aufgabe. Er soll das Volk Israel aus der Sklaverei befreien. Das wollte Mose eigentlich schon immer. Aber daran ist Mose schon einmal gescheitert, jämmerlich. Er hat dabei einen Ägypter erschlagen und musste fliehen.
Nun aber sendet Gott ihn. Doch jetzt traut er sich das nicht mehr zu.
Die ganzen folgenden Verse des 3. Kapitels findet Mose Einwände - vier an der Zahl.
-    Die Menschen werden fragen, wer sie sendet! Da offenbart Gott seinen Namen Jahwe; ich bin, der ich bin.
-    Die Menschen werden mir nicht glauben! Da zeigt Gott Mose, dass er durch ihn Wunder tun wird.
-    Ich kann nicht reden! Daraufhin spitzt Gott den schon gegebenen Segen zu und verspricht: „ich will mit Deinem Mund sein und dich lehren, was Du sagen sollest.“
-    Moses vierter Einwand ist die Totalweigerung: „Sende wen Du willst“. Da heißt es, dass Gott zornig wird. Doch Gott gibt es - selbst als er zornig über Mose ist - nicht auf, ihn zu senden. In seiner Geduld, Liebe und Fürsorge zu seinem Berufenen, gibt er ihm seinen Bruder Aaron an die Seite.  Vor allem sagt er Mose ein ums andere Mal: „Ich will es tun“. Gott selbst bleibt bei Mose. Gott selbst wird es sein, der die Rettung und Befreiung bewirkt.

Ihre Lebensgeschichte, lieber Herr Thiedmann, verlief etwas anders als bei Mose. Doch auch Sie haben schon früh - schon als Grundschüler - ein Gefühl für Ihre Sendung gehabt. Zu ihrem Pfarrer in der Kirchengemeinde Schney, Pfarrer Roggenkamp, sagten Sie: „Ich will einmal Pfarrer werden“. Denn biblische Geschichten und Gottesdienste faszinierten Sie. Sie fragten ihn, wie der Weg zu diesem Beruf sei. Als er dann das Studium als Weg benannte, schien Ihnen dieser Beruf verbaut zu sein. Für ein Studium hielten Sie sich nicht für geeignet.
Und doch blieb die Sendung in Ihnen wach und wurde immer stärker in den 10 Jahren Engagement in der Gemeinde, sogar im Kirchenvorstand und vor allem in der Jugendarbeit auf Gemeinde-, Dekanats-, Landes-, und sogar Bundesebene in den entsprechenden Gremien.
So gingen Sie Schritt für Schritt von der Realschule auf die Fachoberschule, dann vier Semester an die Hochschule für Religionspädagogik und erwarben sich so die Voraussetzung zum universitären Theologiestudium. Sie absolvierten das erste Examen, waren im Vorbereitungsdienst bei Mentor Manfred Schmidt in St. Paul Würzburg und bestanden das zweite Examen. Sie überwanden alle Hürden und nun geht heute endgültig das Tor zum Pfarrberuf auf. Sie werden ordiniert. 
Nicht nur Mose, auch Sie werden heute gesandt, um das Volk Gottes zu retten. Denn Sie werden gesandt, das Evangelium von Jesus Christus zu verkünden durch Wort und Sakrament. In ihm liegt Rettung, Erlösung, Freiheit.
Das Volk Israel wurde aus Ägypten geführt durch Mose. „Führe mein Volk aus Ägypten“, sagt Gott zu Mose. Und auch Sie sollen in die Freiheit führen, in die große Freiheit, in das weite helle Land des christlichen Glaubens und Lebens.
Für Martin Luther war der Glaube an Christus der Inbegriff der Freiheit und er ist es auch für mich und er ist es auch für Sie. Denn Jesus Christus befreit aus jeder Schuld und Gottesferne, er befreit aus Verhaltensweisen, die uns und anderen schaden. Er befreit zur Liebe zu Gott und allen Menschen und damit zu einem erfüllten Leben voll Sinn und Segen.

Dahin führe mein Volk, sagt Gott heute zu Ihnen Sie haben großen Respekt vor dieser Aufgabe. Darum sagt er auch Ihnen zu: Ich werde es selbst tun. Ich selbst werde retten und befreien. Ich tu´s. Doch lieber Michael Thiedmann, dazu brauche ich eben Dich. Darum geh in den Pfarrdienst, geh zuerst nach Burgpreppach.
Gott sendet und sagt: Geh Mose; geh Michael, ich will befreien.

Ganz schlicht sagt Gott zu Mose: Geh; und er fügt hinzu: Ich will mit Dir sein.
„Ich will mit Dir sein“ - das ist die Grundzusage des Segens. Wenn ich heute bei der Handauflegung sage: „Gott segne Dich“, so beinhaltet dies die Gewissheit, dass Gott mit Ihnen sein wird.
Nun also drittens: Gott segnet:
Die Berufung zielt auf die Person, die Sendung auf die Aufgabe - und der Segen? Er zielt auf Person und Aufgabe.
Gott segnet heute Sie als Person, Ihr ganzes Leben; Sie in ihrem und für Ihr familiäres Beziehungsgefüge. Gottes Segen zielt zuallererst nicht darauf, dass wir funktionieren, sondern dass wir leben in Frieden mit ihm, den Menschen und uns selbst. Der Segen zielt darauf, dass es uns gut geht und Ihrer Frau Liisa und Ihrem Kind Jonah. Gott will, dass es Ihnen gut geht in Ihrem Leben. Auch der Segen der Ordination will das.
Der Segen zielt auf die Person und ihr Beziehungsgefüge. Und er zielt auf die Aufgabe. Gott wird mit Ihnen sein, in allem, was Sie tun als Pfarrer. Im Seelsorgegespräch, wenn Sie nicht wissen, was Sie da noch sagen sollen, so will Gott Ihnen die Worte in den Mund geben, die er zu den Menschen sagen will. Bei der Predigtvorbereitung, wird er Ihnen die Worte schenken durch die er Ihre Predigthörer erlösen, befreien, trösten, mahnen und ermutigen will.
 
Sie werden heute also berufen, gesendet und gesegnet für Ihr ganzes Leben und Ihren Dienst, der erst endet, wenn Sie sterben. Denn Berufung, Sendung und Segen der Ordination gelten das ganze Leben lang - zumindest bis zum Tod.
Und wie bei Mose gibt er Ihnen Menschen zur Seite. Ihre Frau ist ein wirkliches Geschenk Gottes für Sie. Liebe Frau Thiedmann-Gräbe, nun will ich Sie nicht vereinnahmen, indem ich Sie mit Aaron vergleiche und gleichsam mitsende. Denn Sie haben Ihren eigenen, wichtigen Beruf, und Sie haben gemeinsam mit Ihrem Mann Verantwortung für Ihren Sohn Jonah. Und doch tut es Ihrem Mann so gut, dass Sie seinen Weg mitgehen und ihn auch innerlich mittragen. Darüber sind wir sehr froh. Gott segne und behüte auch Sie und Ihren Jonah in dem Leben, das vor Ihnen liegt.

Liebe Burgpreppacher Gemeinde, Sie sind Gottes Volk - aber nicht in Ägypten. Und doch haben Sie in den letzten Monaten gewiss gestöhnt und sich gefragt, wie lange die Vakanz noch währt. Drei Mal habe ich gegenüber der Personalabteilung Burgpreppach als zu besetzende Gemeindestelle angegeben, denn ich war Ihnen schon eine gute Besetzung schuldig, wenn ich Ihnen Ihren Pfarrer Bauer als Dekan weghole. Doch erst beim dritten Anlauf der Stellenbenennung hat auch die Entsendung geklappt.
Ich meine aber, das Warten hat sich gelohnt. Herr Thiedmann bringt große Gaben und Fähigkeiten mit. Er wird Ihre Gemeinde leiten können zusammen mit dem Kirchenvorstand und ich bin auch ganz gewiss, dass er in die mit dieser Stelle verbundene Aufgabe des Schulbeauftragten rasch hineinwachsen wird.
Denn: Er geht als einer, der von Gott gerufen, gesendet und gesegnet ist. Dass Gott selbst dies tut, wenn wir nun als Kirche berufen, segnen und senden, darauf vertrauen wir. Bitten wir vertrauensvoll um die Gegenwart Gottes und die Wirkung des Heiligen Geistes mit dem Lied, das wir nun singen.