Ordination von Natalie Schreiber

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zu Lukas 8,4-8 am 07.02.2021 in Hallstadt

Liebe festliche Gemeinde, vor allem, liebe Natalie Schreiber!
Als ich das heutige Predigtwort in der Bibel las, freute ich mich so sehr für Sie, liebe Frau Schreiber. Wir haben es vorhin in der Lesung gehört. Man nennt dieses Bibelwort das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld.
Viele lesen dieses Gleichnis mit dem Gefühl: Oh wie schade: Drei von vier Menschen hören das Evangelium und es verändert sich letztlich nichts in ihrem Leben. Für Landwirte eine schlechte Quote wenn von 100 Samenkörnern nur 25 aufgehen.
Doch unser Bibelwort läuft auf eine ganz andere Aussage zu. Es richtet den Blick auf die 25% und was mit ihnen geschieht: Der letzte Vers 8 lautet: „Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da Jesus das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!“
Schnelle Rechner unter uns, werden sofort überschlagen, was 25% mal 100 ist – ein Ertrag von 2.500%.
Natürlich macht Jesus mit den Menschen keine Mathematikstunden. Das Gleichnis würde auch nicht als Gleichnis verstanden, wenn man es mathematisch denkt. Die genannten Zahlen sollten lediglich helfen aus der Negativauslegung dieses Gleichnisses herauszuführen, heraus aus dieser Fixierung auf das, was nicht gelingt. Es zielt doch auf die umwerfende Nachricht: Wenn das Evangelium sich in einem Menschenherz einnistet - dann fruchtet es hundertfach.
Wir könnten dieses Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld auch nennen: Gleichnis von der Wirksamkeit des Wortes. - Und die Wortwirksamkeit ist etwas, das Sie, liebe Frau Schreiber, wie nur wenige Menschen fasziniert: Die Wortwirksamkeit ist Ihre Erfahrung und Ihre Gabe.

Als ein „sprachvernarrtes Kind“, so haben Sie sich selbst rückblickend auf Ihre Kindheit bezeichnet. Sie haben eben durch Ihr Elternhaus, das bis zu ihrem 13. Lebensjahr das Pfarrhaus der Gemeinde Trabelsdorf war, unschätzbar viel an Sprachvermögen in die Wiege und den täglichen Brotkorb gelegt bekommen.
Doch Sprachbegabung lässt sich nicht nur im Pfarrberuft leben. Sie gingen zunächst den Weg ins Studium der Theater-, Medien- und Musikwissenschaft nach Bayreuth, spürten aber überdeutlich, dass dies nicht Ihr Platz ist.
Als Sie dann in Bamberg fürs Lehramt Deutsch und Englisch studierten, fanden Sie sich rein aus Neugier ein in der Vorlesung über christliche Ethik bei Professor Heinrich Bedford-Strohm. Das ist nun 15 Jahre her und doch wissen Sie noch, dass es ein Dienstagmorgen war und Sie auf einer Empore saßen. Sie waren danach wie vom Blitz gerührt und von der Theologie gepackt für ihr ganzes Leben bis heute. Dieser Professor, den wir alle gut kennen, redete doch nur – doch Weichen in Ihrem Leben stellten sich dadurch neu.

Gehen wir von der Emporensituation zu dem, was heute hier geschieht. Wir ordinieren Sie.
Eine Ordination ist Berufung, Segen und Sendung. Berufung! Berufung bewirkt das Hören der Stimme Gottes zum Leben in einer auf ihn hörenden Beziehung.
Segen! Der Segen schenkt Gewissheit, dass Gottes Angesicht über Ihrem Dienst und über Ihrem ganzen Leben leuchtet.
Sendung! Die Sendung überträgt die Aufgabe, das Evangelium von Jesus Christus in Wort und Sakrament anderen zu schenken.
Berufung, Segen und Sendung der Ordination gelten nicht nur bis zum Ruhestand, sondern unser Leben lang bis wir sterben.
Die innere Berufung zum lebenslangen Hören auf Gott geschah wohl im Kern schon damals an jenem Dienstagmorgen auf der Empore wie bei Samuel im Bett in der Nacht oder wie bei Mose am Dornbusch.
Zu dieser inneren Berufung tritt heute die äußere Berufung. Ja, als Gottesdienstgemeinde und als Kirche berufen wir Dich, Natalie Schreiber. Denn wir vertrauen darauf, dass Du eine bist, die den Ruf Gottes gehört hat und auf ihn weiter hören wird.

Schwenken wir wieder zurück in die Biographie.
Wenngleich Sie nach dieser Emporensituation zunächst das Studium fürs Lehramt fortsetzten und nun aber immerhin das Fach Englisch durch das Fach Theologie ersetzten, empfanden Sie doch mehr und mehr, dass das Deutschstudium Sie vom Theologiestudium abhielt. Sie schlossen Germanistik und Philosophie mit dem Bachelor ab und wechselte ins Volltheologiestudium.
Nach dem bestandenen ersten Examen schien der Weg in den Vorbereitungsdienst zunächst versperrt, weil Sie gerade Mutter geworden waren und es kein Teilzeitvikariat gab. Eine Doktorarbeit war schon in Planung. Da wurde von Seiten der Landeskirche doch noch ein Pilotprojekt Teilzeitvikariat ermöglicht. Aus den vier Jahren Vorbereitungsdienst wurden fünf, weil Ihnen noch ein Kind geschenkt wurde.
Eine halbe Pfarrstelle für den Probedienst im Bamberger Raum, an den Sie durch den Beruf Ihres Mannes gebunden waren, gab es nicht. Doch auch hier öffnete sich die Tür für eine halbe Stelle  am Gymnasium in Höchstadt.

Erstaunlich, wie sich da Zug um Zug Türen öffneten. Offensichtlich ist da ein Segen über Ihrem Leben. Es ist solch ein großes Geschenk, dass Ihre Mutter jeden Abend den Aaronitischen Segen mit Handauflegung über Ihnen gesprochen hat. Das leuchtende Angesicht Gottes ist über Ihnen und wird immer über Ihnen sein.
Warum dann noch ein Segen heute? Zum einen gehört der Segen zu den Handlungen im Leben, von denen wir nie genug bekommen können, die wir ersehnen als Wegstärkung, bis wir dann im Licht stehen und Gott von Angesicht zu Angesicht schauen.
Zum anderen verstehen Sie und ich den Ordinationssegen als großen Segen, der - wie der Segen zu Taufe, Konfirmation und Trauung - das ganze Leben durchwirkt. Wir segnen heute nicht nur Ihren Dienst als Pfarrerin, wir segnen Ihr ganzes Leben, zu dem dieser Dienst gehört.
Berufung, Segen, Sendung. Wir senden Sie heute in den Schuldienst und Religionsunterricht, den Sie mit 12 Wochenstunden im Gymnasium in Höchstadt ausfüllen werden. Doch die Sendung der Ordination zielt nicht nur auf den nächsten beruflichen Schritt, sondern zielt auf die Aufgabe auf allen Stellen, die Sie noch in Ihrem Berufsleben ausfüllen werden: Es ist die Aufgabe das Evangelium von Jesus Christus zu verkündigen in Wort und Sakrament.

Und ist es wieder das Wort. Auch der Segen und die Sakramente sind ja neben der Handlung, die dazu gehört, auch immer Wort.
Sie sind durch Ihre urlutherische Großmutter in ein Bekenntnis hineingewachsen, das dem Wort wundersam wandelnde Wirkung zutraut. Und dieses Zutrauen ist durch Erfahrung genährt, denken wir an die Emporensituation und die Segensworte der Mutter. Wir haben das Wort, das Gott zu uns spricht, in so vielen Gestalten: Auch als gesungenes Wort in Liedern, die aus der Seele kommen und direkt zur Seele gehen oder als kleine Bemerkung zwischen Tür und Angel, die doch Stunde um Stunde weiterwirkt.

Worte sind wirksam. Wir leben nicht in einer heilen Welt, in der Worte immer nur gut wären. Auch die Worte eines Präsidenten Trump per Twitter waren wirksam. Ein Fluch zerstört Zukunft. Eine Lüge wirkt diabolisch – im wahrsten Sinne dieses Wortes, weil sie durcheinanderwirft und Schein zum Sein erhebt.
Sie, liebe Frau Schreiber, werden gesendet, das Wort des Evangeliums zu sprechen in diese Welt hinein. Wir brauchen das Wort, das auch scheidet und Lug und Trug als solches benennt. Wir brauchen das Wort, das sich immerfort nährt von der großen Liebe Gottes zu uns Menschen und keinen Menschen von dieser Liebe ausnimmt – auch Rechtspopulisten nicht. Keiner sage über einen Menschen: Bei dem ist Hopfen und Malz verloren; lass ihn reden. Die Liebe gibt keinen Menschen auf und es braucht gerade da das Wort, das dagegen hält und noch mehr das Wort, das Gottes Sicht benennt. Es wirkt eben doch.

Liebe Gemeinde, dieses Wort des Glaubens, das Jesus Christus zur Mitte hat, ist uns allen anvertraut, ob wir nun ordiniert sind oder nicht. In der Taufe, seid Ihr alle berufen, gesegnet, gesandt Worte des Glaubens in Euren Lebenssituationen weiterzusagen. Euch allen gilt die Verheißung des heutigen Bibelwortes, dass solche Worte des Glaubens hundertfältig Frucht tragen.
Sie, liebe Frau Schreiber, werden heute darüber hinaus dazu berufen, gesegnet und gesandt dies auch in der Öffentlichkeit zu tun und andere in ihrer Sprachfähigkeit des Glaubens zu befördern.
Sie haben eine Weihnachtstheologie und eine Segensfrömmigkeit. Sie haben so viel zu sagen und Sie werden es so sagen, dass es nicht schal und fade wirkt, sondern berührend, so wie Sie berührt worden sind.
Immer wird das nicht geschehen. Aber es wird geschehen und dann verändert sich das Leben und ein Mensch beginnt auf Jesus zu hören. Dann trägt das Wort hundertfach Frucht und Gott selbst ist heilsam am Werk mitten in unserer Welt. Amen.