Ordination von Pfarrer Christian Parchent

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Greiner zur Ordination in der Bartholomäuskirche, Pegnitz am 1. August 2020

Liebe Festgottesdienstgemeinde, vor allem lieber Christian Parchent

Wir haben vorhin das Evangelium gehört, das den morgigen Sonntag prägt. Es ruft uns allen zu: „Ihr seid das Licht der Welt.“
„Du bist ein Nichtsnutz!“ Wenn eine Mutter oder ein Lehrer das zu einem Kind sagt, dann dringt das tief in die Seele ein. Durch solch eine Zuschreibung wächst die Gefahr, dass das Kind tatsächlich lebensuntüchtig wird und nichts auf die Reihe bringt.
„Du bist schön!“, sagt ein Mann zu seiner Frau und unter diesen Worten wird ihr Gesicht gleich noch etwas schöner, weil sie lächelt.
„Du bist Licht der Welt!“, das sagt Jesus zu allen Menschen, die vor ihm sitzen. Manche wundern sich und werden selbst im Sitzen zwei Zentimeter größer, manche können diese Zuschreibung nicht mit ihrem schwachen Selbstbewusstsein zusammen bringen: „Was sagt der da? Ich soll Licht der Welt sein?!“
Jesus sagt das zum ganzen Volk, das vor ihm sitzt und er würde es darum auch zu jedem hier im Kirchenraum sagen, wenn er statt meiner hier stünde.
Diese Worte sind Teil der so genannten Bergpredigt, der nicht nur die Jünger zuhören, sondern eine große Menge Volk.
Da sitzt auch einer, dem die Mutter gesagt hat, „Du bist ein Nichtsnutz“. Da sitzen echt verquere Typen, hoffnungsvolle Mädchen und solche, denen ihre Jugend genommen wurde, tatkräftige Jugendliche – und  alte Männer und Frauen, die die besten Jahre hinter sich haben.
Denen allen spricht Jesus zu: „Ihr seid das Licht der Welt“. Das stellt alle negativen eigenen Zuschreibungen oder die anderer Menschen in Frage und nimmt ihnen ihre Wirksamkeit.
Das bedeutet für uns hier: Jesus traut uns zu, Dir und mir – egal ob jung oder alt, ob Mittelschüler oder Akademiker, ob Selbständiger oder Angestellter – egal, was die Menschen sonst noch über uns gesagt haben oder was wir über uns denken - Du und ich, wir sind für Jesus Licht der Welt. Du und ich wir sind Licht, das Freude, Wärme und Glanz in das Leben anderer Menschen bringen wird.
Bestimmt haben wir das auch bisher schon getan. Doch heute sendet er Dich und mich mit diesem Wort neu, Licht der Welt zu sein.
So wie eine negative Zuschreibung uns Menschen das Selbstbewusstsein nimmt, so schenkt Jesu Zutrauen, seine Bestimmung, die er für Dich und mich hat, uns Sinn und Rückgrat und Wirksamkeit.

Die Zuschreibung Jesu haben Sie, lieber Herr Parchent, für sich angenommen. Ja, Sie wollen Licht verbreiten, Sie wollen, dass das Licht, das Jesus  in Person ist, durch Sie leuchtet. Sie werden Christus verkündigen und haben dies zu Ihrer Hauptaufgabe werden lassen. Denn das ist unsere Hauptaufgabe als Pfarrer, das Evangelium von Jesus Christus weiterzugeben in Seelsorge und Gottesdiensten, im Konfirmanden- und Religions-unterricht – und wo immer wir gerade sind.
Wie kam das bei Ihnen dazu, dass Sie sich diese Aufgabe als Beruf vorstellen konnten?
Fangen wir von vorne an. Wir feiern nämlich Ordination an dem Ort, Pegnitz, an dem Sie auch im Jahr 1991 das Licht der Welt erblickten.
Getauft und konfirmiert wurden Sie in Eckersdorf, weil Ihr Elternhaus in der Großgemeinde Eckersdorf steht. Sie kommen also aus der Region und sind ein heimatverbundener Mensch. Teil Ihrer Heimat war schon immer die Kirche, weil in Ihrer Familie der Gottesdienstbesuch selbstverständlich war.
Ich möchte an dieser Stelle den Eltern Armin und Ulrike Parchent danken. Sie, liebe Eltern Parchent haben durch Ihr Leben Ihren Sohn Christian selbstverständlich in die Glaubenspraxis eingeübt durch Ihren regelmäßigen Kirchenbesuch. So konnte der Funke überspringen.
Wir können Glauben an Christus nicht bewirken. Er ist nicht von uns machbar. Er ist immer Werk des Heiligen Geistes. Aber wir können es dem Heiligen Geist schwer oder leicht machen, Türen und Fenster verriegeln oder ihm Raum bieten. Bei Ihnen war Kirche und Glaube auch zu Hause präsent.
Als nach der Konfirmation der Kontakt zur Kirche wegbrach, wuchs er doch wieder durch das Engagement im Posaunenchor. Sie sind auch heute noch aktiver Tenorhornbläser. So wird es Sie auch besonders freuen, dass nachher bei unserem Stehempfang der Posaunenchor aus Eckerdorf mit Lindenhardtern spielt. Auch ich freue mich darüber und wohl wir alle, weil wir diese Töne in den letzten Monaten so vermisst haben. Nun ist klar:  Posaunenchöre dürfen wieder üben und spielen – mit Abstand von 2 Meter, aber immerhin.

Gerade bei einer Vita, wie der von Ihnen, lieber Herr Parchent, ist zu erkennen, wie sehr regelmäßiger Gottesdienstbesuch – auch via Posaunenchor – das Herz aufschließen kann für den Lichteinfall des Evangeliums.
Auch durch Ihren Kontakt zu Pfarrern in Schule und Gemeinde wurde der Pfarrberuf als Lebensweg attraktiv und erfahrbar bis dahin, dass Ihnen zugetraut wurde Konfirmandenfreizeiten mitzugestalten.
Es hat mich berührt, als Sie sich selbst als „kirchenglockenfromm“ bezeichneten. Sie erzählten mir, dass die Glocken der Kirchen-gemeinde Burghaig in den ersten vier Töne des Liedes „Christ ist erstanden“ gestimmt sind. Das haben Sie sich offensichtlich gemerkt seit Sie dort Ihr Gemeindepraktikum fürs Theologiestudium absolvierten. Auch heute noch halten Sie inne, wenn Glocken läuten und werden still vor Gott. Stecken Sie viele mit dieser Kirchenglocken-frömmigkeit an.

Im Frühjahr 2017 bestanden Sie das erste und im Herbst 2019 das zweite theologische Examen. Dazwischen waren Sie im so genannten Vorbereitungsdienst in Burkunstadt als Vikar bei Mentor Heinz Geyer. Mit ihm haben Sie es wirklich gut getroffen!
Sie hätten sich auch vorstellen können Bürgermeister in Ihrem Heimatort Eckersdorf zu werden. Sie erzielten ein respektables Ergebnis bei der Wahl. Als sie unterlagen, war klar, dass Sie in den Pfarrberuf treten werden.
Nun, auch als Bürgermeister wäre Ihre Bestimmung gewesen, Licht der Welt zu sein und das Evangelium durch Sie durchscheinen zu lassen. Denn – wie gesagt – Jesus gibt nicht nur seinen Jüngern, die Bestimmung, Licht der Welt zu sein, sondern allen, die vor ihm sitzen. Er ermutigt sie, den Glauben nicht aufs Private zu beschränken, sondern wie eine Stadt auf dem Berg zu sein, weithin sichtbar.

Schwenken wir doch nochmals kurz in das Bibelwort und die Situation damals. Was macht Jesus eigentlich so sicher, dass diese Menschen, die vor ihm sitzen, dazu taugen, Licht der Welt zu sein – wo er doch verschiedenste Gestalten vor sich hat. Was macht ihn so gewiss?
Es ist die Tatsache, dass diese Menschen auf seine Worte hören, dass Sie an seinen Lippen hängen. Jesus selbst glaubt daran, dass sein Wort wirksam ist und die Menschen verändert. Und das tut es wirklich.
Wir selbst hier – Christenmenschen, die  2000 Jahre später leben - sind Wirkung seines wirksamen Redens, seines Wortes, das durch viele Menschen weiter getragen wurde – auch durch die, die damals vor ihm saßen.
Und jetzt seid Ihr alle dran, das, was Jesus wollte und sagte, anderen weiter zu tragen.

Wenn Christian Parchent ordiniert ist, ist er nicht mehr Licht der Welt als Sie. Das ist ihm auch ganz wichtig. Er hält sich nicht durch die Ordination und den Pfarrdienst für besser, heiliger und geistlicher. Ich auch nicht. Denn wie hell wir strahlen, hängt nicht an unserem Beruf, sondern daran, wie sehr wir an Jesus hängen und seine Worte lieben, leben und weitergeben. Und das geht in jedem Beruf.
Wir alle haben die Aufgabe in unserem Lebenskontext - wo immer sich eine sinnvolle Chance bietet in der Familie, im Beruf, im Verein, im Chor, bei der Nachbarin, beim Krankenhausbesuch - mit Worten des Glaubens und Taten der Liebe Zeuge Jesu zu sein.
Ich bitte Sie: Wenn Jesus Christus in Ihrem Herzen ist, dann lassen Sie andere in Ihr Herz schauen. Bringen Sie, dort wo es passt, zum Ausdruck, dass Jesus, das Licht der Welt auch Ihr Licht ist, dem Sie vertrauen im Leben und im Sterben.

Nun wieder zu Ihnen, lieber Herr Parchent. Sie sind also nicht mehr Licht der Welt als alle, die Jesus Christus im Herzen haben. Was ist dann die Besonderheit eines ordinierten Pfarrers?
Dass Sie von Jesus, dem Licht der Welt auch öffentlich sprechen, auf der Kanzel und an Gräbern, dass Sie in der Taufe Kinder ihm anvertrauen und Menschen im Abendmahl mit Jesus verbinden.
Sie haben die Aufgabe, viele Menschen so zuzurüsten durch das Erzählen von biblischen Geschichten, dass diese Menschen dann selbst in ihren Familien und Lebenskontexten von Jesus, dem Licht der Welt erzählen und seine Liebe leben. Mögen Sie eine Kerze sein, durch die Gott das Licht des Glaubens in vielen Herzen entzündet.

Wir alle freuen uns, dass mit Ihrem Einsatz die Vakanz in Lindenhardt zu Ende geht. Das Pfarrhaus ist saniert und bald bezugsfertig.
Die Ordination ist freilich keine so genannte Installation in Lindenhardt. Diese so genannte Installation – also der feste Einsatz auf einer Stelle - kann nach dem so genannten Probedienst, den wir Pfarrer alle durchlaufen müssen, in drei Jahren erfolgen, wenn Sie sich in Lindenhardt – das hoffen wir - bewerben sollten.
Was ist dann aber die Ordination? Sie ist die lebenslang gültige Berufung, Sendung und Segnung. Sie gilt für Ihr Leben in Lindenhardt und bis Sie sterben und im  Licht bei Christus sind.
Heute werden Sie, lieber Christian Parchent, berufen. Jesus Christus ruft Sie in die Nachfolge. Heute werden Sie gesandt. Christus sendet Sie in den Dienst der öffentlichen Verkündigung. Heute werden Sie zu diesem Dienst und für Ihr Leben gesegnet. Christus sagt Ihnen zu: Ich hin Dein Licht, scheine durch Dich, wirke durch Dich, bin bei Dir alle Tage.
Sie alle bitte ich nun, mit mir um den Heiligen Geist zu bitten, dass er an Christian Parchent wirkt und Christus das ganze Leben lang durch ihn leuchtet.
Amen.