Ordination von Simon Meyer und David Rothmund

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner am 17.3.2019 in Elsa

Liebe Gemeinde, vor allem lieber Simon Meyer und lieber David Rothmund

„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“.
Ich freue mich für Sie beide, dass dieser grundlegende Vers Teil des Evangeliums dieses Sonntags ist - und Ordinationswort für Sie beide.

Es ist ein Wort, das zugleich hineinspricht in diese Welt. Wieder ein Attentat – dieses Mal in Neuseeland, – am anderen Ende unserer Erdenwelt, sozusagen. Doch wir sind gerade als Christen mit den Menschen dort verbunden. Muslime sind getötet worden bei ihrem Freitagsgebet. Heute am Sonntag beten wir Christen für die betroffenen Muslime, Menschen wie Du und ich. Wir beten für die Verwundeten um Heilung, für die Hinterbliebenen um Trost und Hilfe.
Gerade als Christen verneinen wir jede Gewalt. Gott liebt! So ruft unser Bibelwort. Gott liebt diese Welt, schenkt uns seinen Sohn, der gerade nicht anders Denkende tötet, sondern es auf sich nimmt, sich töten zu lassen, um Hass zu überwinden. Am Kreuz vergibt er seinen Folterern.
Diesen radikalen Weg der Liebe geht Gott in Jesus Christus. Dieser Weg führt in die genau entgegengesetzte Richtung wie die des Täters – und entgegengesetzt zu allen, die jetzt denken: Rübe ab.
Jeden liebt Christus und jeden bittet Christus: Alle Verzweifelten, alle Verwirrten, alle Extremisten, selbst den Täter, ausnahmslos jeden Menschen, auch Dich und mich, Hass jeder Art zu überwinden, jede Verletzung in uns ihm hinzuhalten, damit nicht Feindseligkeit und Menschenverachtung daraus wird. Christus sieht im Muslim, im Christen, im Atheisten immer zuerst den Menschen, den er liebt. Darum ist Christus der Weg zum Leben und zum ewigen Leben für uns und diese Welt.
Sie beide, lieber Simon Meyer und lieber David Rothmund, haben sich entschieden: Diesen Weg der Liebe, wie Christus sie lebt und schenkt, diesen Weg wollen Sie gehen und wollen ihn verkündigen.
Zuerst zu Ihnen, lieber Herr Meyer.
Sie sind in einem Elternhaus groß geworden, in dem ganz natürlich und selbstverständlich Beten, biblische Geschichten und Engagement in der Bamberger Auferstehungsgemeinde dazu gehörten. Wie selbstverständlich wuchsen Sie in den Glauben hinein. „So sehr hat Gott die Welt geliebt“ - welch großes Geschenk, die Liebe Gottes und die Geborgenheit im Glauben als Kind zu erfahren.
Sie wollten beruflich in Richtung Medizin oder Soziale Arbeit gehen. Doch der Zivildienst im Rettungsdienst des Roten Kreuzes führte dazu, diese berufliche Zielvorstellung aufzugeben. Drei exemplarische Erfahrungen brachten diesen Umschwung:
-    Es machte Sie nachdenklich, dass Sie die jungen Menschen, die Sie während eines Praktikums im Drogenentzug kennengelernt hatten, doch mit dem Rettungswagen Monate später ins Klinikum fahren mussten. Der Entzug hatte keine Stabilität gebracht. Ihre Frage war, wie kann man das Abgleiten in die Drogenszene präventiv verhindern? –
-    Zudem spürten Sie: Gerade ein Mensch, der medizinisch als austherapiert gilt, braucht Zuwendung. Wer gibt sie?
-    Und schließlich: Es war - nachdem ein Mensch gerade gestorben war – kein gutes Gefühl, die Tür zuzuziehen und Hinter-bliebene ohne Seelsorge zurückzulassen.
In diesen Erfahrungen formierte sich Ihre innere Berufung zum Geistlichen Amt. Denn Sie wussten: Jugendliche können eine stabilisierende Frömmig-keit und Gemeinschaft in der Kirchengemeinde erfahren, die auch ein Abgleiten in Drogen und in Extremismus verhindert, Austherapierte gibt es bei Gott nicht; und Seelsorger begleiten Menschen, wenn sie es am meisten brauchen.
Sie lieber, Simon Meyer, wollen das, was wirklich Teufelskreise aufbrechen kann – die erfahrende Liebe Gottes in Wort und Tat – zu den Menschen bringen. Sie dachten aber zunächst an den geistlichen Beruf des Diakons.
Doch Ihre kluge frühere Religionslehrerin Bettina Sperl war nur bereit, Ihnen eine befürwortende Stellungnahme für die Rummelsberger Diakonen-schule zu schreiben, unter einer Bedingung, dass Sie sich drei Tage lang überlegen, ob Sie nicht Pfarrer werden. Wir sehen heute, welches Ergebnis am Ende der drei Tage stand:
 Sie studierten Theologie in Neuendettelsau, Göttingen und Berlin und absolvierten Ihren Vorbereitungsdienst bei Pfarrerin Angelika Steinbauer in der Pfarrei Steppach-Pommersfelden-Limbach. Und gewiss wirkte auch Pfarrer Steinbauer mit und Ihre Religionsunterrichtsmentorin Birgit Gräter.
Sie haben das Leben in einer ländlichen Pfarrei schätzen gelernt; und vor allem: Sie haben in dieser Gemeinde erfahren, dass drei Kirchengemeinden zusammenhalten können, verbunden durch Glauben und Liebe. So sind Sie genau der Richtige für die Pfarrei Elsa, bestehend aus fünf Kirchengemeinden.
Lange hat es gedauert, bis Elsa besetzt werden konnte, weil sich einfach niemand bewarb. Ich bin sehr dankbar für den Weg, den die Pfarrei gegangen ist in den letzten beiden Jahren zusammen mit Frau Meyer zu Hörste und nun vor allem mit Dr. Christian Frühwald. Da sind gute Schritte geschehen, sodass ich nun einen jungen Pfarrer im Probedienst hierher senden konnte.
Es ist trotzdem mit drei Kirchenvorständen und den baulichen Herausforderungen noch immer eine sehr anspruchsvolle Stelle. Doch ich traue Ihnen, lieber Herr Meyer, diesen Dienst hier zu.
Und Euch liebe Gemeindeglieder in Elsa, Grattstadt und Roßfeld, Heldritt und Öttingshausen, kann ich sagen: Das Warten war gewiss schwer, doch es hat sich gelohnt. Nun ist der Richtige da. Ich freue mich wirklich sehr mit Ihnen und wünsche Ihnen auch als Gemeinden Gedeihen, ja neuen Schwung im Gemeindeaufbau und danke allen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen sehr herzlich, die so lange mit durchgetragen haben.

Liebe Gemeinde, es ist für unsere Kirche ein großes Geschenk, dass ich heute sogar zwei junge Menschen ordinieren kann, Simon Meyer und David Rothmund. Vielleicht wundern sich manche aus der Pfarrei Elsa über diese weitere Ordination. Doch eine Ordination ist ja keine Einsetzung auf eine Stelle. Die geschieht so Gott will auch bei Herrn Meyer in drei Jahren nach dem Probedienst durch Dekan Kleefeld. - Vielmehr ist die Ordination die lebenslang gültige Berufung, Segnung und Sendung zum Amt der öffentlichen Verkündigung.
Alle im Kirchenschiff, die Sie getauft sind, Sie alle sind ebenfalls lebenslang aufgerufen, anderen weiter zu sagen, wie sehr Gott die Welt liebt, dass er seinen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben ewiges Leben haben.
Der Unterschied ist lediglich der, dass Ordinierte diese Aufgabe auch in der Öffentlichkeit wahrnehmen, dass ihnen auch die Sakramente und leitende Verantwortung anvertraut sind. Die Rechte und Pflichten aus der Ordination enden im Ruhestand nicht. Sie sind mit dem ganzen Leben verwoben.
Diese Sendung in den Dienst der öffentlichen Verkündigung des Evangeliums kann an ganz unterschiedlichen Orten ausgeübt werden - eben auch in der Schule, so wie bei Ihnen, lieber Herr Rothmund. Der Schuldienst lässt sich gut mit dem Gemeindedienst Ihrer Frau in Fechheim kombinieren. Das ist die praktische Seite.
Doch Ihnen liegt auch das Unterrichten. Sie haben sogar den Mut, mit Schülern zu meditieren. Darin möchte ich Sie bestärken. Religionsunterricht ist eine große Chance zur Vermittlung von Glaubenswissen, Lebensorientierung und Einübung in die Beziehung zu Gott, der uns liebt.
Das trifft Ihr Herzensanliegen. Ihr Lebensziel ist es, den Menschen Gott näher zu bringen, sodass sie in liebender Beziehung mit Gott leben. Und Sie sagen selbst: „ich wüsste nicht, wo ich das besser könnte als im Pfarramt“. Stimmt! Sie haben Ihr Lebensziel zum Beruf gemacht.
Das ist ein lebenfüllendes, erfüllendes aber auch ein großes Ziel, eigentlich unmöglich, es zu verwirklichen - wäre da nicht Gott selbst, der die Welt, die Menschen, liebt und selbst in Kontakt treten will.
Gott ist an Ihrer Seite, der diese Welt liebt. Er liebt nicht nur ihre schönen Seiten - die Berge in denen die Schöpfung noch unberührt scheint, das Kind, das mit einem anderen Kind brav teilt, nicht nur den Erwachsenen, der hingebungsvoll einen Familienangehörigen pflegt.
Natürlich sagt Gott sein großes „Ja“ zur Schöpfung und zum liebevollen Handeln von Menschen. Doch ich spüre manchmal förmlich Gottes sehnsüchtigen, liebevollen Blick, wenn ein Mensch sich verrennt in Aggression, Streit, Arbeitswut, Sexbesessenheit, Wohlstandsverwahrlosung. Und wie sehr leidet er mit, mit den Menschen in Christchurch. Er leidet auch mit den Muslimen mit. Er bittet um Liebe. Immer! Und er schenkt sie selbst.
Gott liebt jeden Menschen. Gott liebt nicht nur Heiles. Er schafft das Heile in seiner Liebe.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn mitten in diese Welt sandte. Dieser Sohn, der am Kreuz starb, lebt. Und alle, die an ihn glauben, haben Anteil am Leben in Liebe, das aus Gott kommt. Ein Leben in Liebe, frei von zerstörerischen Bindungen und Gefühlen, frei für Gott und Menschen.
Gott liebt auch genau das Kind, das am meisten stört im Unterricht. Was will er ihm sagen, woraus will er es erlösen? Gut, wenn Sie, lieber Herr Rothmund, mit Gott in Verbindung stehen und diese Frage an Gott richten. Er wird Sie leiten.
Wir sind als Pfarrer in der Schule keine Therapeuten, doch wir verkünden einen Gott unendlicher Liebe. Und diese Liebe heilt, so wie damals die erhöhte Schlange in der Wüste, die zum Beginn unseres Evangeliums erwähnt ist. Der Blick auf Christus am Kreuz und seine Liebe heilt.
Wie gut, dass Sie, lieber Herr Rothmund das Ziel haben, Menschen mit dieser Liebe in Christus vertraut zu machen. Das will er. Das bewirkt er selbst auch in der Schule. Durch Sie will und wird er seine Liebe schenken.

Sie haben diese Erfahrung der Liebe Gottes selbst gemacht. Aufgewachsen sind Sie in Mombasa und Nairobi, in Neuendettelsau und Auerbach bei Bensheim. In der Zeit Ihres Zivildienstes in einer Ökumenischen Sozialstation in Neusäß, bewegten Sie schwere Fragen zum Tod und über den Sinn Ihres Lebens. Sie suchten Antworten. Inmitten Ihrer Suche fand Gott Sie. So sagen Sie es selbst.
So wird es immer sein. Wir können die Menschen nur begleiten in ihrem Suchen, sie anleiten, ihren Blick aufs Kreuz zu richten und vertrauen, dass Gott sie findet, weil er jeden Verlorenen finden will.
Gefunden von ihm studierten Sie Theologie in Neuendettelsau und Berlin und absolvierten den Vorbereitungsdienst beim Ehepaar Rucker in Rödental. Das hat Gott gut gemacht.
 
Und nun sind Sie da, zusammen mit Simon Meyer. Sie werden knien bei der Ordination. Doch nicht eigentlich vor mir, sondern vor dem Dreieinigen liebenden Gott, in seiner Gegenwart.
Er ist es, der Sie beide beruft, sendet und segnet, weil er verlorene Menschen finden will. Und es wird geschehen, gerade durch Sie beide.
Amen.