Trauerfeier am Samstag, 9.1.2016, Friedhof Niederfellendorf

Nachruf von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner für Professor Dr. Peter Poscharsky

Sehr geehrte, liebe Frau Poscharsky,
sehr geehrte Kinder und Enkelkinder des Verstorbenen,
sehr geehrte Angehörige, liebe Trauergemeinde,

Anfang letzten Jahres lud Professor Peter Poscharsky mich ein, ihn in Nürnberg zu besuchen. Bei unserem Gespräch eröffnete er mir, dass er nun in den Ruhestand treten wolle und er bäte mich sein Ruhestandsgesuch anzunehmen. Die Kräfte würden den Dienst nicht mehr zulassen.
Unser Gespräch war voll Dankbarkeit über das Werk Gottes an ihm und durch ihn. Wir legten es, bevor ich ging, betend und Gott lobend in dessen Hand zurück.
Bei meinem Nachruf für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche, um den er mich damals bat, möchte ich besonders zum einen OKR Dr. Peter Hübner erwähnen, der in unserer Kirche verantwortlich ist für Kirchbau und – zusammen mit KR Braun – für das weite Feld kirchlicher Kunst; und zum anderen OKR Helmut Völkel in seiner Zuständigkeit für die evangelisch- theologischen Professuren in Bayern. Beide haben mich eigens gebeten ihre dankbare Verbundenheit mit dem Verstorbenen Peter Poscharsky zu benennen.

Unser Dank von Seiten der Kirche zielt nicht nur auf seine kirchlichen Ehrenämter, sondern auch auf seine wissenschaftliche Laufbahn und sein Wirken als Inhaber des Lehrstuhls für Christliche Archäologie und Kunstgeschichte. Denn auch dies war im Kern Ausübung seines Herzensberufes: einfacher Pfarrer, berufener Verkündiger des Evangeliums zu sein. Gerade als Ordinarius lebte er seine Ordination, die er 1978 – hier im nahen Muggendorf – durch Kreisdekan Johannes Meister empfing.
„Meine Kirche“, sagte er mit warmer Betonung. Dabei wusste er um ihre großen Schwächen. Doch die nahm er an, wie die Schwächen der Menschen. Respekt, dass seine Kirche – wie der Stall von Bethlehem – in ihrer Gebrochenheit doch Ort des Wirkens Gottes ist, war ihm immer abzuspüren. Sie war ihm geistliche Heimat, die er anderen erschließen wollte – mit all ihrer Schönheit.
Schalk und Glück blickten aus seinen Augen als er mir erzählte, dass es gerade sein kirchliches Engagement war, das die Existenz seines Lehrstuhls in Einsparungs-verhandlungen vor dem staatlichen Rotstift rettete:
Er hatte nämlich in den Jahren 1993/94 die Bilder für das Bayrische und Thüringische Evangelische Gesang-buch federführend ausgewählt. Dem zuständigen Ministerialbeamten leuchtete es unmittelbar ein, dass ein Lehrstuhl, der in Transfer-Leistung solch eine Außenwirkung entfaltet, nicht eingespart werden könne. Das erlebte Peter Poscharsky als bestätigenden Segen auf seinem Weg, wissenschaftliche Theologie nur in Kirchenverbundenheit zu leben.

Sein ehrenamtliches Engagement für die Kirche, insbesondere die Mitteldeutsche und die Bayerische aber auch in EKD-weiten Zusammenhängen war so groß, dass ich nur Ausgewähltes nenne, und alles, was ich in Nachrufen des Dekanatsbezirks und der Kirchengemeinde vermute, weglasse.
Sein Wirken hatte schon früh – im wörtlichen Sinne –Nachhall: Mehrere Posaunenchöre hat er gegründet, so beispielsweise den Posaunenchor der Luthergemeinde Leipzig 1948 und den der Kreuzkirche Bonn 1953.
Im Jahr 1966 ließ er sich für die Mitarbeit im Vorstand des Vereins für Christliche Kunst in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern gewinnen. Insgesamt wurden es fast 50 Jahre Tätigkeit für den Verein bzw. seine Inhalte.
Seit seiner Marburger Zeit war er bis 1997 sachverständiges und danach korrespondierendes Mitglied der Lutherisch Liturgischen Konferenz Deutschland.
Ebenfalls seit der Marburger Zeit engagierte er sich in der Marienberger Vereinigung für evangelische Paramentik, dem Dachverband evangelischer Paramentikwerkstätten.
Ob Sie ahnen, welche Bedeutung sein Engagement in dem Genannten für unsere Kirche hatte? Als unsere Evangelischen Kirchen noch sehr schwach waren, in der Anerkennung der Unverzichtbarkeit sinnlich wahrnehmbarer Gestalt des Glaubens, hat er längst intuitiv und reflektiert gewusst, wie viel Eindruck musikalischer, liturgischer, stofflicher – eben sinnlicher – Ausdruck bewirkt.

Sein Wirken war immer zielführend und sehr konkret: Das Museum „Kirche in Franken“ in dessen wissenschaftlichem Beirat er war, verdankt ihm entscheidende Impulse für die Konzeption von Ausstellungen.
Bei der Neuordnung des Arbeitsbereichs Inventarisation unsrer Landeskirche war er maßgeblich beteiligt.
Ungezählt die Fachjurien bei Kunstwettbewerben zur Ausstattung von Kirchengebäuden, in denen er Mitglied war. Er verstand sich als Mensch, der durch Beratung seiner Kirche dient aus Treue zu seinem eigentlichen Dienstgeber, dem Herrn Jesus Christus.
Nie drängte er sich mit seinem Schatz an Kenntnissen auf, doch wenn wir ihn fragten, dann freute er sich und es erschlossen sich uns Welten des Wissens – und zugleich seine Bescheidenheit.

Unsere Begegnungen werden mir sehr fehlen. Sie begannen immer damit, dass er – sobald er mich erspähte – mir zuvor kam mich herzlichst zu begrüßen: „Meine verehrte, liebe Bischöfin.“ Ich antwortete: „Mein verehrter, lieber Herr Professor.“ Da strahlte er mich an und wir nahmen uns in den Arm – innig und mit großer Achtung. Das sagt so viel aus über sein Verhältnis zu seiner Kirche und seiner Kirche zu ihm.

Wie in jenem Gespräch in Nürnberg so bin ich auch heute – und werde es bleibend sein – voll Dankbarkeit über das Werk Gottes an ihm und durch ihn in unserer Kirche und über sie hinaus. Er hat uns verkündigend und deutend den Blick geöffnet für den Himmel Gottes um uns, in den er uns voraus gegangen ist.

Der dreieinige Gott umschließe ihn, seine Familie und uns alle mit dem Reichtum seiner Güte. Amen.