Trauung von Ehepaar Beate und Dieter Winkler

Trauansprache für das Ehepaar Pfarrerin Beate und Dieter Winkler am 23. Mai 2015 in Bischofsgrün

Liebe Traugottesdienstgemeinde,
vor allem liebe Beate und lieber Dieter!

Sie sind frisch vermählt. Ihre Liebe ist noch jung und doch hat sie schon so viel gemeinsam durchstanden. Jede Trauung ist etwas Einmaliges und doch empfinden wir das bei Ihnen beiden noch einmal mehr. Dass Sie beide hier stehen können ist eine besondere Gnade.
Wir als Traugottesdienstgemeinde erbitten: diese Gnade, die Sie hierher geleitet hat, die möge Sie weiter tragen, leiten, begleiten. Darum gebe ich Ihnen einen Bibelvers als Trauspruch, der Ihnen diese Gnade auch für die Zukunft zuspricht:
„Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von Euch weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, Dein Erbarmer.“
Jesaja 54,10
Dieser Spruch kam mir während unseres langen Traugespräches vor ungefähr vier Wochen in den Sinn und er blieb. Also wird es Ihrer sein.
Dass er sich in meinen Gedanken festsetzte, lag vielleicht auch daran, dass Sie, lieber Dieter, ein Mann sind, der die Berge kennt und liebt als Bergwachtler und Wanderer und der nun sogar seine Ehefrau dazu bringt, das Fichtelgebirge zu erkunden.
Das Fichtelgebirge hob sich vor ca. 5 Millionen Jahren. Seitdem steht es da. Freilich war es über diese Millionen Jahre hin der Witterung und dem Wasser der Flüsse ausgesetzt; doch es steht fest. „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von Euch weichen“ – sagt Euer Spruch. Eher weichen Berge als meine Gnade sagt Gott Euch zu. Eher weichen Ochsenkopf, Schneeberg und Kösseine, als dass meine Gnade Euch verlässt. Sie bleibt. Ihr beide bleibt unter Gottes liebevollen Augen. Er wird auf Euch Acht haben und Eure Bitten hören. Diese Zusage ist verlässlich und fest; viel fester als der Granit, aus dem das Fichtelgebirge zu 40% besteht.

Nein, der Ochsenkopf weicht nicht und der Schneeberg fällt nicht hin, die Kösseine bleibt. Und doch gibt es das, dass Berge erzittern und beben. Denken wir an das Erdbeben vor vier Wochen in Nepal. Über 7000 Menschen starben beim ersten Beben. Ganze Häuser einfach weg. Die Überlebenden in großer Angst. Es dauerte, bis sie sich wieder trauten in den noch verbliebenen Häusern zu schlafen.
Ja, das geschieht, dass die Erde bebt. Die Berge weichen nicht – aber sie können wackeln. Es ist zutiefst verängstigend wenn das geschieht.
Die Erdbeben in Ihrer beider Leben waren heftig. Sie, lieber Dieter, haben Ihre Ehefrau ganz plötzlich verloren. Im Sommer 2009 waren Sie noch gemeinsam an der Westküste Amerikas. Der Klinikaufenthalt im Dezember wegen Herzproblemen war noch nicht massiv bedrohlich, doch die Notoperation am Tag vor Heilig Abend. Den Anruf in der Frühe des 27.12. werden Sie nie vergessen. Da bebte die Erde, der Boden war weg, mit einem Schlag.
Und bei Ihnen, liebe Beate, waren es etliche wirklich schwere Erdstöße. Die erste Ehe wurde zur echten Qual. Mehr soll hier nicht ausgeführt werden. Als sie dann allein waren mit zwei kleinen Kindern war es viel leichter als zuvor. Gott sei Dank war Ihre Mutter hilfreich da. Doch in dieser Zeit vor der Trennung und auch noch danach war der Boden unter den Füßen schwankend – welche Balanceakte waren da notwendig. Doch damit nicht genug. Im November 2011 brannte auch noch der Dachstuhl Ihres Pfarrhauses in Emtmannsberg ab. Sie und die Kinder konnten sich in der Nacht retten, doch Ihr Haus war Ihnen genommen. Die Wirkung einem Erdbeben gleich.

Lieber Dieter, liebe Beate, Ihr beide habt nach diesen wirklich schweren Zeiten nicht zu hoffen gewagt, dass da ein Pflänzlein echter Liebe neu keimen würde. Und doch ist es geschehen. Ihr beide seht all das, was dann wurde, nicht als Zufall, sondern als Euch aus Gottes Hand zugefallen an, als echte Gnade – obwohl wieder viel Umstürzendes geschah.
Am 1. September 2013 begann Ihr Dienst, liebe Beate, hier in Bischofsgrün. Schon bei einem Vorbesuch im Sommer waren Sie beide einander begegnet. „Ist das ein herzlicher Mann“ – das war Ihr erster Gedanke über Dieter. Es folgte nach Dienstantritt ein Kontakt wegen des Todes eines Gemeindegliedes, dann half Dieter kräftig mit beim Fällen von Weihnachtsbäumen und Verkaufen für die Diakonie – trotz eigener schlimmer Rückenbeschwerden; dann sagten Sie ihm Danke bei einem ersten gemeinsamen Kaffeetrinken und Sie beide spürten – da ist mehr im Raum.
Gleich darauf im Konzert – ausgestaltet durch Familie Stiegler –  am 4. Advent setzten Sie sich im Kirchenschiff zum ersten Mal nebeneinander als erstes kleines Bekenntnis in der Öffentlichkeit der Gemeinde. Hätten Sie das nicht getan – was wäre geworden? Denn wieder wankte die Erde in diesem Konzert. Sie, liebe Beate, spürten, dass die linke Seite taub wurde. Sie, lieber Dieter, als erfahrener Bergwachtler, wussten, was zu tun ist und binnen einer Stunde war Beate in der Hohen Warte und die ärztliche Hilfe konnte greifen.
Doch damals bebte die Erde nicht nur für Sie, liebe Beate, sondern fast mehr noch für Sie, lieber Dieter. Eine Frau war Ihnen genommen und nun hatte ein kleines Pflänzlein neuer Liebe zu keimen begonnen und es bestand große Gefahr, dass das  kleine Pflänzlein stirbt oder lange leiden wird. 
Doch in Ihnen, liebe Beate, war schon im Zusammenbruch die Gewissheit der Treue Gottes stark; und in Ihnen, lieber Dieter, die große Treue zu dieser Ihnen erst anfänglich bekannten Frau. So lernten Sie, liebe Beate, wieder einem Mann zutiefst vertrauen. Und Sie, lieber Dieter, gewannen mit der unverwüstlichen Hoffnung Beates, Hoffnung auf eine gemeinsame, gute Zukunft.
Nur eineinhalb Jahre liegt jener Zusammenbruch zurück, doch tiefer kann eine Liebe kaum werden in solch einer Zeit als bei Ihnen beiden. So sitzen Sie hier, dankbar über die Ihnen geschenkte Gnade neuen gemeinsamen Lebens.

Was wird kommen? Alle hier im Kirchenraum hoffen sehr, dass nun eine wirklich neue Lebensphase beginnen kann. Auch ich hoffe für Sie beide.
Und ich hoffe auch für die Kirchengemeinde. Der Zusammenbruch war ja auch ein Erdbeben für die Kirchengemeinde. Zuvor ein Jahr Vakanz, dann das Glück einer so herzlichen, zugewandten Pfarrerin und dann war sie den Menschen genommen. Die Zeit bis heute wurde sehr lang. Es war eine weitere Zeit
der Entbehrung für die Gemeindeglieder,
der Durststrecke für den Kirchenvorstand
und geforderten Mittragens für die Pfarrkollegen.
Ich danke allen, die getragen haben, auch dem Dekan, der heute verhindert ist und herzlich grüßt.
Auch bin ich sehr dankbar, dass meine Bitte im Landeskirchenamt Gehör fand. Ab Anfang kommenden Monats, also ab 1. Juni wird das Pfarrersehepaar Taxis eine halbe Stelle mehr innehaben, um hier in Bischofsgrün zu unterstützen. Denn der Wiedereinstieg in den Beruf, liebe Beate, kann nicht von heute auf morgen voll geschehen. Mit Beate habe ich den Wiedereinstieg zum baldmöglichsten Zeitpunkt beantragt. Wir hoffen gemeinsam auf positiven Bescheid.
Der zusätzlich finanzierte Einsatz für das Ehepaar Taxis möge der Gemeinde mit ihrem echten Bedarf helfen, und Ihnen, liebe Frau Pfarrerin Winkler, damit das Maß an Arbeit sich Ihren Möglichkeiten entsprechend steigern kann.
Sie, lieber Dieter, wissen wie sehr sich Ihre Frau danach sehnt, endlich wieder ihren geliebten Pfarrdienst tun zu können. Sie sind ab heute Pfarrmann und wollen es auch sein. Wie gut, dass Sie diese Berufung Ihrer Frau unterstützen und mittragen werden. Das ist auch für Sie eine neue Lebensaufgabe.

Manchmal verstehen wir Gottes Wege nicht. Fragen sind in unserem Herzen. Manchmal finden wir zunächst auch keinen Frieden. Doch der Heilige Geist, der Geist Jesu Christi, für dessen Empfang wir am morgigen Pfingstfest danken, hilft uns vieles verstehen. Und er hilft uns, das, was wir nicht verstehen, in Gottes Hand zurückzulegen. Das schenkt Frieden.
„Der Friede Gottes“, so sagen wir Pfarrer am Ende der sonntäglichen Predigten, „der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen in Jesus Christus.“ Wenn wir unserem Herrn Jesus Christus vertrauen, wird Friede uns erfüllen. Das habt Ihr beide erfahren in den letzten Monaten. Möge das Eure Erfahrung auch in Zukunft sein.
Ihr habt rechtlich den Ehebund geschlossen und er ist umschlossen vom Bund des Friedens Gottes. Dieser Bund des Friedens wird Euren Bund der Liebe stets umgeben und durchdringen. Das wird Euch heute unverbrüchlich zugesagt in der Segnung. Denn so spricht Gott zu Euch:
„Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von Euch weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, Dein Erbarmer.“
Amen.

Dr. Dorothea Greiner
Regionalbischöfin