Verabschiedung von Dekan Hans-Jürgen Buchta

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner im Festgottesdienst am 4. Advent 2016 in der Stadtkirche St. Veit, Wunsiedel

Liebe Gottesdienstgemeinde,
vor allem, lieber Hans-Jürgen und liebe Dagmar Buchta und liebe Familie Buchta!

Freuet Euch in dem Herrn alle Wege und abermals sage ich Euch: Freuet Euch. Der Herr ist nahe.
Das ist der Wochenspruch für den 4. Advent. Ich weiß, liebe Dagmar Buchta und lieber Hans-Jürgen, dass Eure Gefühle gemischt sind. Die reine Freude ist diese Verabschiedung nicht für Euch.
Dein Dienst als Dekan und Pfarrer von Wunsiedel, lieber Hans-Jürgen hat am 1.10.1997 hier begonnen, vor über 19 Jahren. Sie, liebe Frau Buchta wohnen hier in Wunsiedel sogar noch ein Jahr länger. Weil Ihr nach Fischbach im Dahner Felsenland in der Pfalz ziehen werdet – 450 Kilometer entfernt - ist die Verabschiedung heute ein echter Einschnitt, der auch weh tut. Ihr lasst viele lieb gewordene Menschen zurück und einige gute Freunde. Ein tragfähiges Netz an Beziehungen werdet Ihr in Fischbach erst wieder aufbauen müssen.
Eine echte Freude ist Euch aber die Perspektive nun Eure Lebenszeit ganz gemeinsam verbringen zu können. Deine Augen, lieber Hans-Jürgen leuchten, wenn Du von der Aussicht sprichst, selbst bald Zeit zum Lesen zu haben, gemeinsam mit Euren Maschinen das Moseltal zu erkunden oder auch Vorlesungen an der Universität Heidelberg oder Tübingen besuchen zu können.

Du hast ja auch als junger Mann ausgiebig studiert. Nicht weil Du getrödelt hättest, das war noch nie Deine Eigenschaft, sondern weil Du sozusagen kurz vor dem theologischen Examen sieben Semester Medizin samt Klinikpraktikum eingeschoben hast.
Am Ende des Theologiestudiums hattest Du nämlich einen Kurs in Klinischer Seelsorge absolviert. Das hat Dein Interesse geweckt für die medizinische Welt.
Aber innerlich neigte sich dann doch die Waage zum Pfarrberuf hin. Mit nur sechs Wochen Prüfungsvorbereitung bist Du zum Theologischen Examen angetreten und hast am 1.Mai 1983 mit knapp 30 Jahren als Vikar in Schnabelwaid begonnen.
Als Dein Mentor krank wurde, hast Du über Monate hinweg mit hoher Arbeitsdisziplin die Gemeinde geführt.
So traute man Dir auch gleich danach die Vertretung der großen Pfarrstelle Regenstauf zu. Dieser Gemeinde sind nach gegenwärtiger Landesstellenplanung drei Pfarrstellen zugeteilt. Kaum vorstellbar, dass Du allein für die Begleitung von 3500 Gemeindeglieder und fünf Predigt-stationen verantwortlich warst bei einer Fläche von 30 mal 50 Kilometer mit 20 katholischen Kollegen als Gegenüber. Pro Woche hattest Du 12 Stunden Religionsunterricht und vier Gruppen Präparanden und Konfirmanden zu leiten.
Mit ungeheurem Pflichtbewusstsein hast Du von früh bis Nachts gearbeitet. Eigentlich war dies viel zu viel an Pflichtprogramm, doch bei Eurem Weggang aus der Gemeinde hattest Du als Kür zusammen mit Deiner früheren Frau 17 Kinder- und Jugendgruppen aufgebaut. Die Gemeinde boomte. Für Gemeindefeste musste die Straße gesperrt werden.
In dieser Zeit wurden Euch drei Kinder geschenkt, Philipp, Carsten und Katja. Sie sind heute auch da. Denn zum einen begleiten sie ihren Vater in diesem existenziellen Einschnitt und zum anderen war Wunsiedel ja für sie die Heimat ihrer Kindheit und Jugend. Und so ist Euer Weggang auch für die Kinder eine Zäsur. Möge auch ihr weiteres Leben gesegnet sein.

Gefragt, was Dir hier in Wunsiedel Freude gemacht hat, hast Du nach kurzer Überlegung still geantwortet: „Eigentlich mein Auftrag“. Und dann hast Du ihn entfaltet allem voran, dass Du das Evangelium – den gekreuzigten und auferstandenen Christus verkündigen konntest bei Gottesdiensten oder Beerdigungen oder in der Seelsorge.
Dein Seelsorgesprengel war notwendigerweise klein, doch Du hast keinen Geburtstagsbesuch ausgelassen und selbst wenn Du in Urlaub warst, hast Du eine Karte geschrieben und dann nachbesucht.
Das zeigt so viel von Dir: Dein großes Pflichtbewusstsein, Deine Liebe zu den Menschen und das Annehmen der Seelsorge als Kernaufgabe, die Dir Freude gemacht hat. Auch in der Begleitung Deiner Frau bei ärztlichen Einsätzen in der Nacht kam diese Leidenschaft zum Tragen.

Wichtig war Dir die Begleitung der Schwestern in der Diakoniestation und des Personals der drei evangelischen Kindertagesstätten und die Verantwortung für das Diakonische Werk, weil eben die Diakonie in Deinen Augen – auch in meinen - eine wesentliche Dimension kirchlicher Arbeit ist.

Der Kampf gegen Rechts war hart. Du hast davon gewusst bei Deiner Bewerbung und hast Dich auf diesen Kampf eingelassen. Im zweiten Jahr Deines Dienstes zogen 4000 Rechtsradikale durch die Maximilianstraße. Lärmende Menschenverächter mit schwarzen Stiefeln am Tag, zerstörte Grabplatten auf dem Friedhof in der Nacht. Unzählige Verhandlungen und Gerichtsverfahren mit Vorwürden gegen die Polizei von rechtsextremer Seite, in der Du als Zeuge gefragt warst.
Erst vor ca. 5 Jahren hat die Massivität der Aufmärsche nachgelassen als das Hessgrab auf Antrag der Schwiegertochter aufgelöst werden konnte. Das war Dein Werk gemeinsam mit dem einstimmig votierenden Kirchenvorstand trotz Vorbehalten von politischer Seite. Es war richtig!
Diese Auflösung des Grabes mit Umbettung in der Nacht wirst Du allein schon wegen der nächtlichen Szenerie und allen damit verbundenen inneren Bildern nie vergessen, zumal auch dies mit nachfolgenden rechtlichen Streitigkeiten verbunden war. Doch es ist gelungen: Die Pilgerstätte der Rechtsextremen ist weg. Wir sind Dir dankbar.

Auch ich persönlich bin Dir dankbar für unser Miteinander. Auf Dich und Dein akkurates und pflichtbewusstes, unkompliziertes und völlig loyales Verhalten aus geistlich-geschwisterlicher Grundhaltung konnte ich mich immer verlassen.

Vieles von Deinem Dienst war nach außen hin nicht sichtbar. Verantwortung für den Stadtfriedhof, für den Verkauf von Gebäuden, die Verwaltung des Mietanwesens, insgesamt für Haushalt und Verwaltung von Kirchengemeinde und Dekanatsbezirk. Du hattest gerade die Verwaltung hervorragend im Griff, sodass die Kirchengemeinde insgesamt gut in Schuss ist.

Und was hat das nun mit Freude zu tun? Kampf gegen rechts oder auch Verwaltung sind nicht gerade Lust-besetzt. Aber das brauchte es für Dich auch nicht sein. Für Dich gehörte das zum Dienst am Evangelium, das Dir Freude machte.
Das Bibelwort heißt ja auch nicht, freut Euch an der Verwaltung und auf dem Friedhof, sondern freut Euch im Herrn allewege. Dass er für uns gestorben ist und für uns und mit uns lebt ist das Evangelium, für das Du in allen Handlungsbereichen gearbeitet hast. Und so ist alles Handeln mit einem Freudenfaden durchzogen.

Was ist für Dich die Mitte Deiner Freude, fragte ich nochmals nach. Es kam kein dogmatischer Satz sondern das einfache Bekenntnis: „Ich erlebe und spüre sie, sie ist in mir. Das Evangelium befreit.“

Wenn das so ist, lieber Hans-Jürgen – und so ist das bei Menschen, die an Christus glauben – dann geht diese Freude mit Dir, wohin Du auch gehst. Sie ist ja in Dir. Christus, Quell unserer Freude, geht mit Euch. Amen.