Weihnachtsansprache TV Oberfranken

Weihnachtsansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner

Liebe Zuschauer und Zuschauerinnen,

Ihnen allen wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest!

 

Sie kennen die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium: Joseph und seine hochschwangere Frau müssen von Nazareth nach Bethlehem reisen, weil der Kaiser eine Volkszählung durchführt. Dort angekommen finden Maria und Josef nur eine Notunterkunft, einen Stall. In der Nacht kommt ihr Kind zur Welt. Sie nennen es Jesus; der Name bedeutet: Gott rettet.

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden“, singen himmlische Heerscharen. Schafhirten auf dem Feld hören es. „Fürchtet Euch nicht“, sagt ein Engel ihnen und erzählt ihnen von Jesu Geburt. Sie eilen zum Stall und beten das Kind an.

 

Im Matthäusevangelium steht noch eine weitere Geburtsgeschichte:

Weise aus dem Morgenland, d.h. wohl aus dem heutigen Iran oder Irak, sehen am Himmel einen großen Stern. Doch als Sterndeuter wissen sie, dass es zwei Planeten sind, deren Bahnen sich kreuzen: Saturn, der Stern des jüdischen Volkes, und Jupiter, der Stern der Könige. Angesichts dieses Schauspiels am Himmel vermuten sie, dass ein König der Juden geboren ist. Sie machen sich auf den Weg, suchen ihn und finden Jesus. Sie ahnen, dass er ein großer König ist, bringen ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe, fallen nieder und beten ihn an.

 

„Friede auf Erden“ singen die Engel bei Lukas; und bei Matthäus kommen Weise aus dem Morgenland. Bei der Geburt Jesu ist die ganze Erde im Blick und Menschen fremder Völker erkennen die Bedeutung Jesu.

 

Am vergangenen Samstag feierten wir in der Bayreuther Stadtkirche den ersten „Internationalen Gottesdienst“. Ein Christ aus Äthiopien las das Evangelium. Er hatte seine eigene Bibel in amharischer Sprache dabei. Man sah der Bibel an, dass er viel darin gelesen hatte. Ein aus Russland stammender Mann sprach eine Fürbitte und in der vollen Kirche saßen Menschen vieler Völker. Wir beteten gemeinsam das Vaterunser – jeder und jede in der eigenen Muttersprache. Wir waren dabei verbunden im Glauben an ihn, den Retter der Welt.

 

Da saßen Kurden, Iraker und Syrer, Jesiden, Muslime und Christen; und es war Friede in der Kirche, Friede, der von Jesus ausgeht. Wir sangen ein englisches Weihnachtslied: „Joy to the world, the Lord ist come.“ Auf deutsch heißt der Text: „Freue dich, Welt, der Herr ist da! Nimm deinen König an! Und jedes Herz empfange ihn, mach für ihn Raum und singe ihm.“

 

Es war ein Gottesdienst für die Geflüchteten, die bei uns sind, ein vorgezogenes Weihnachtsfest für die Christen aus aller Welt. Doch auch Muslime waren willkommen. Einer sagte hinterher: Es ging mir wie in der Moschee. Ich bin zur Ruhe gekommen.

 

Viele in unserem Land sind voll Sorge wegen der vielen Fremden, die kommen. So viele Muslime, so viele Menschen anderer Hautfarbe, anderer Kultur. Ja, es wird sich einiges ändern in unserem Land. Doch lassen wir die Weihnachtsbotschaft der Evangelien zu uns sprechen: Der Glaube an Jesus, den Retter der Welt, war von Anfang an offen für andere Völker, die zur Krippe kamen. Christus will der König aller Herzen sein. Wir Christen haben eine Botschaft des Friedens, die für alle Völker wichtig ist. Gehen wir offen auf diese Menschen zu und geben ihnen Anteil, an dem, was unser Leben reich macht.

 

Eine Karikatur geht mir nicht mehr aus dem Sinn: Ein Mann steht vor seiner Haustüre und brüllt. Drei junge Burschen in wallenden orientalischen Gewändern fliehen weg von ihm. „Was aus dem Morgenland seid Ihr?“ schreit der Mann ihnen hinterher.

Ich musste sehr lachen, als ich diese Karikatur sah. Doch sie hat einen ernsten Kern. Viele in unserem Volk sind dem christlichen Glauben entfremdet und wissen gar nicht, wie offen für andere Völker unser christlicher Glaube vom Ansatz her ist. Wir haben Kraft zur Integration anderer Völker – aus der Kraft unseres Glaubens.

Ich danke allen, die sich engagieren für die Integration der Geflüchteten, sei es durch Kleiderspenden oder Sprachkurse, durch ein gutes Wort zu ihnen oder ein Gebet für sie. Danke allen, die denen Einhalt gebieten, die über die Geflüchteten schlecht reden. Danke unserer Polizei und den Menschen in den Ausländerbehörden und Ämtern für ihre Mühen und das nicht verlorene Erbarmen.

                                                          

Die Weihnachtsgeschichten der Bibel öffnen unser Herz für unseren Heiland, den Retter der Welt. Sie öffnen unser Herz für die Menschen aus anderen Völkern. Allen will Christus seinen Frieden bringen - auch uns und durch uns.

In der Kraft der Weihnachtsbotschaft lasst uns ins Neue Jahr gehen. Eine frohe Weihnachtszeit und ein gesegnetes Jahr 2016.