Ordination von Pfarrerin z.A. Julia Wappmann am 06.10.2012 in Marktredwitz

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner
in der St.-Bartholomäus-Kirche in Marktredwitz
am Samstag, 06. Oktober 2012
Predigttext: 1.Korinther 1,9 

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater durch unseren Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde, vor allem liebe Frau Wappmann!

Nach dreieinhalb Jahren bin ich wieder in der Pfarrei Marktredwitz zum Ordinieren. Am 26. April 2009 wurde das Ehepaar Röhm in Groschlattengrün ordiniert. Auch wenn verständlich ist, dass die beiden in die Nähe seiner Eltern wollten, sind viele doch traurig über den Weggang.

Doch, liebe Gemeinde, heute ist ein neuer Beginn und ein großer Freudentag und vor einer Woche war auch schon einer, als Frau Pfarrerin Helene Dommel-Beneker installiert wurde. Beide Pfarrerinnen wollten in Ihre Gemeinde. Und weil ich wahrnahm, dass Frau Wappmann sich vorstellen kann, auch länger zu bleiben, schlug ich vor, dass sie nicht auf dem Pfarrvikariat eingesetzt wird, sondern die zweite Pfarrstelle zur Vertretung bekommt. Dann hat sie nach drei Jahren die Möglichkeit, sich auf diese Stelle zu bewerben und kann über den so genannten Probedienst hinaus weiter bleiben. Das sind gute Aussichten für Sie, liebe Frau Wappmann, und Ihre Familie und für die Gemeinde.

Heute aber ist noch keine Installation, keine Stellenverleihung, sondern das Grundlegendste für ein Pfarrersleben: Heute ist Ordination. Und diese Ordination gilt nicht nur für den jeweiligen Einsatz in einer Gemeinde, sondern ist Voraussetzung jedes Einsatzes als Pfarrer und Pfarrerin. Die Ordination gilt auch nicht nur bis zum Ruhestand, sondern bis zu unserem Tod. Bei der Ordination werden wir berufen, gesegnet und gesendet für den lebenslangen Dienst der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung.

Als Christen sind wir alle berufen zum Weitersagen des Evangeliums in all unseren Lebensbezügen. Doch zur öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung braucht es einen eigenen Berufungsvorgang entweder in der Ordination für Pfarrer oder in der Beauftragung für Prädikanten.

Es gibt ein Bibelwort in unserer Ordnung der Predigttexte für den Ordinationstag. Obwohl ich schon 27 Menschen ordinieren durfte, habe ich noch nie darüber gepredigt, weil ich bisher immer die Worte des Sonntags nahm. Doch heute wähle ich dieses Ordinationsbibelwort. Liebe Frau Wappmann, es möge Sie leiten in Ihrem lebenslangen Dienst als Ordinierte.

Es lautet: „Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.“ Es ist ein Wort, das zu Ihnen, liebe Frau Wappmann, besonders gut passt. Denn es redet von der Treue Gottes. Die Treue Gottes ist seine Beständigkeit in der Liebe. Und gerade die Beständigkeit Gottes ist Ihnen so bedeutsam angesichts dessen, dass in unserer Gesellschaft alles im Fluss ist, sich die Verhältnisse immer schneller wandeln. Gott ist beständig. Er ist treu, er bleibt in Liebe zugewandt. Liebe Frau Wappmann, heute verheißt dieses Bibelwort Ihnen, dass Gott Ihnen treu ist und Ihnen auch inmitten aller Veränderungen unverwandt in Liebe zugewandt bleiben wird in Ihrem ganzen Dienst, in Ihrem ganzen Leben.

Sie haben gerade viel Veränderung hinter sich. Sie kommen aus Ihrem Vikariat in der Kirchengemeinde Floß, sind im vergangenen Monat in der Hermann-Löns-Straße eingezogen. In diesen Veränderungen waren Ihr Mann und Ihre Tochter auch treu. Beide sind mitgegangen. Dass ein Ehemann sagt: „Ich gehe mit“, – ohne zu wissen, ob er eine Arbeitsstelle in der neuen Gemeinde findet und so lange pendelt –das ist stark und treu. Solche Männer braucht das Land. Danke an Sie, lieber Herr Wappmann, dass Sie den Pfarrdienst Ihrer Frau von Herzen unterstützen. Gott segne Sie dafür und schenke, dass Sie bald eine nahe, gute Stelle finden. Und Dir, liebe Johanna, wünsche ich, dass Du hier bald ganz gute Freundinnen findest und hier in Marktredwitz glücklich sein wirst mit Deiner Familie.

Heute werden Sie also, liebe Frau Wappmann, berufen, gesegnet und gesendet zum lebenslangen Dienst der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung. Niemand kann in unserer Kirche diesen Dienst tun – es sei denn, er sei dazu ordentlich berufen, so heißt es in Artikel 14 unserer Confessio Augustana, einer unserer wichtigsten Bekenntnisschriften. Heute werden Sie ordentlich berufen. Durch wen?

Stellvertretend für alle Gemeinden der Kirche Jesu Christi werden einige Menschen mit Hand auflegen und ich werde die Berufungsworte sprechen für unsere Landeskirche. Doch berufen werden Sie für diesen Dienst im Kern durch Gott, durch Jesus Christus selbst, den Herrn der Kirche. Wenn und weil Sie ihm dienen, dienen Sie auch den Gemeinden.

Sie sind zu allererst eine Ordinierte Jesu Christi. Ihm sind Sie verpflichtet und er bindet sich an Sie. Nicht nur Sie lassen sich ganz auf Christus ein, ihm mit Ihrem ganzen Leben zu dienen, sondern er lässt sich auch auf Sie ein.

Ein Pfarrer hat mir mal geschrieben, rückblickend auf sein 25-jähriges Ordinationsjubiläum, zu dem ich ihm gratuliert hatte. Er schrieb, dass er betend manchmal denkt: „Auf was hast du dich da eingelassen Christus, als du mich in den Dienst gerufen hast.“ Durch diesen Satz ist mir eine große Wahrheit der Ordination ins Auge gesprungen. Christus bindet sich in der Ordination auch. Ordination bedeutet, dass Christus zu Ihnen sagt: „Du, Julia, bist ab jetzt lebenslang meine Botin. Lehre, was ich Dir sage, trage das Evangelium in die Krankenzimmer, ans Grab, ins Klassenzimmer. Ich brauche Dich, ich geh auch mit Dir überall hin.“

Seine Treue gilt auch weiter, wenn Sie das Gefühl haben, zu versagen, nicht mehr können, nicht mehr wollen. Und recht betrachtet, ist doch seine Treue zu uns der eigentliche Motor unseres Dienstes für ihn. 

In Ihrem Ordinationsbibelwort heißt es weiter: „Berufen zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus.“ Auch darin zeigt sich ein Geheimnis der Ordination: Gott hat Sie nicht nur berufen zum Dienst, nicht nur zum Arbeiten, sondern – und das trägt den ganzen Dienst – zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus. Er ruft Sie zu einem Leben und Arbeiten aus der Beziehung zu Jesus Christus.

Ich glaube, dass dies das Entscheidende ist für unseren Dienst als Ordinierte, dass wir alles was wir tun, in der Gemeinschaft mit Jesus Christus, aus der Kraft der Beziehung zu Jesus Christus tun. Wir alle wissen, wieviel Kraft eine gelingende Beziehung gibt für unser Leben und erst recht die Beziehung zu Jesus Christus.

Sie, liebe Frau Wappmann, werden oft in Situationen sein, da stehen Sie allein auf der Kanzel, sitzen allein einem Menschen gegenüber, der sein ganzes Leid vor Ihnen ausschüttet und wissen keinen Rat. Sie stehen aber nicht allein auf der Kanzel und sitzen dort nicht allein, sondern gemeinsam mit Jesus Christus, der durch Sie Glaubens- und Lebenshilfe geben will und wird.

In der Beziehung zu ihm sehen wir selbst uns auch anders. Wenn wir vor einem Spiegel stehen, finden wir uns manchmal chic, sehen aber auch unsere Schönheitsfehler. In den Worten und Bewertungen anderer über uns spiegeln sich unsere Leistung und Ausstrahlung.

Von Zeit zu Zeit mögen diese Spiegelbilder uns mehr oder weniger gefallen. Wir als Christen sind von diesen Spiegelbildern in unserem Selbstwertgefühl nicht abhängig. Wir schauen noch in einen anderen Spiegel. Wir sehen uns im Spiegel des Evangeliums.

Und wie sehen wir uns da? Als Menschen mit Stärken und Schwächen, ja unsere Fehler sehen wir da noch viel deutlicher. Doch wir sehen uns mitsamt ihnen als zutiefst geliebten Menschen, erlöst durch den Tod Jesu, befreit zu neuem Leben.

Es gibt eine wunderschöne Ikone. Sie zeigt Jesus und den Heiligen Menas. Jesus steht neben ihm und legt ihm die Hand auf die Schulter, ermutigend, beauftragend, berufend. Das schönste an dieser Ikone ist der glückliche Blick beider. Auch Jesus ist glücklich, dass er Menas berufen kann und Menas, dass er berufen wird. Liebe Frau Wappmann, wenn Sie sich im Spiegel des Evangeliums sehen, dann sehen Sie nicht nur sich, sondern Sie sehen sich in Gemeinschaft mit Jesus Christus. 

„Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.“

Liebe Gemeinde, dieses Berufensein zur Gemeinschaft mit Christus gilt Julia Wappmann heute besonders, doch im Kern genauso auch Ihnen. Paulus schreibt doch keinen Brief an die Ordinierten oder an die Gemeindeleiter in Korinth, sondern an die ganze Gemeinde.

Gott ist Dir treu – das gilt jedem unter uns, der getauft ist. Da hat Gott seine Treue erklärt, die auch weiter gilt, wenn wir wochenlang oder gar jahrelang nichts von ihm wissen wollten. Er bleibt uns treu und wartet und ruft und mahnt und liebt. Er hat uns berufen in die Gemeinschaft seines Sohnes, Jesus Christus, damit wir alles mit ihm durchleben, begleitet durch ihn.

Wenn wir selbst mit Christus verbunden leben und unser Banknachbar neben uns auch, dann verbindet uns das auch untereinander. Am dichtesten zeigt sich diese Verbundenheit im Abendmahl.

Wo gibt es denn das sonst noch, dass Menschen aus einem Becher trinken. Das tun wir allenfalls in der Familie; sonst vermeiden wir es doch eher. Und beim Abendmahl trinken wir alle aus einem Kelch.

Ich weiß, dass es manchen grauselt wenn er am Abendmahl teilnimmt und die Austeilenden nicht darauf achten, dass der Kelch gedreht und nach vier Mal Trinken gereinigt wird. Und sie haben recht. Wir müssen darauf achten, das Abendmahl als gemeinsames Trinken aus einem Kelch zu erhalten, indem wir auf Hygiene achten.

Wenn dies aber geschieht, dann ist der eine Kelch ein solch starkes Symbol dafür, dass wir miteinander verbunden sind in der Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, der für uns gestorben ist und dessen Blut uns rein macht von aller Sünde. Die Gemeinschaft, in die wir berufen sind, ist eine Gemeinschaft mit ihm und untereinander.

Und Sie, liebe Frau Wappmann, werden mit den Gemeinden in Zukunft das Abendmahl feiern und Sie werden selbst daran teilnehmen. Sie sind Teil der Gemeinschaft.

Sicher, Pfarrer leiten die Gemeinden. Doch sie sollen nie Pfarrherren sein, weder die Männer noch die Frauen. „Unser Herr“ ist einer und sonst keiner. Das ist ja auch gerade in einem Pfarrersteam so wichtig. Schon allein rechtlich gibt es hier in Marktredwitz keine ersten, zweiten, dritten Pfarrer, sondern Pfarrer und Pfarrerinnen auf den ersten, zweiten, dritten Pfarrstellen, die aber einander rein kollegial zugeordnet sind. Doch in unserem Wort geht es noch um mehr: Wenn dieses Pfarrersteam sagt und erfährt, „Christus ist unser Herr“ und wir dienen ihm gemeinsam, dann tut das dem Team gut und der ganzen Gemeinde.

Bald ist der Kirchenvorstand neu gewählt. Die Pfarrer leiten die Gemeinde zusammen mit dem Kirchenvorstand. Je mehr die Geistlichen und die Kirchenvorsteher in der Gemeinschaft mit Christus leben, desto mehr kann Christus durch sie die Gemeinde leiten. Das gilt genauso für alle Gruppenleiter. Unser Dienst – sei er ehren- oder hauptamtlich – geschieht aus der Gemeinschaft mit Christus.

Diese Gemeinschaft mit Christus ist nichts, was wir herstellen müssten. Er selbst stellt sie her, indem er uns anspricht im Wort und uns Glauben schenkt, wir antworten betend. Er stellt sie her in der Taufe und im Abendmahl. Und Sie, liebe Frau Wappmann, haben die wunderschöne Aufgabe, die Menschen in diese Gemeinschaft zu rufen im Wort und diese Gemeinschaft zu vollziehen in Taufe und Abendmahl. Die schönste Aufgabe der Welt. Eine Berufung.

Amen