Um verschiedene Facetten von und Perspektiven auf Nachbarschaft ging es beim gemeinsamen Jahresempfang von Mission EineWelt, dem Zentrum für internationale Kirchenpartnerschaften der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, und dem Kirchenkreis Bayreuth am 19. Juni 2026 in der Lorenzkirche in Hof. Dabei wurde einmal mehr deutlich: Gute Nachbarschaft braucht viel Engagement und Geduld, gehört aber definitiv zu den wirklich wichtigen Dingen im Leben.
Wie schaffen wir es, so aufeinander zu und miteinander umzugehen, dass ein gutes, wohlwollendes Miteinander dabei herauskommt? Antworten auf diese Frage wurden unter der Überschrift „Nachbarschaft schaffen“ beim gemeinsamen Jahresempfang von Kirchenkreis Bayreuth und Mission EineWelt vorgestellt, diskutiert und im Rahmen eines bunten Festes auf dem Platz vor der Kirche auch gelebt. „Die Themenfindung hat erstaunlich schnell geklappt“, sagte Mission EineWelt-Direktorin Gabriele Hoerschelmann bei der Begrüßung der über 100 Gäste aus Bayern und aus vielen Partnerkirchen in der weltweiten Kirche. Schnell gefunden heißt aber nicht zwangsläufig einfach. Dass Nachbarschaft, auf welcher Ebene auch immer, alles andere als eine Selbstläuferin ist, machte Hanns Hoerschelmann, ebenfalls Direktor von Mission EineWelt, deutlich: „Dafür muss man sich einsetzen, zuhören, etwas tun und vielleicht auch mal Unterschiede aushalten“, betonte er. Genau dieser Einsatz für mehr und besseres Miteinander sei „in Zeiten wie diesen ganz besonders wichtig“, ergänzte Gabriele Hoerschelmann.
Damit war der inhaltliche Rahmen für die anschließende Podiumsdiskussion gesetzt, die Micha Götz vom Evangelischen Presseverband (epv) moderierte. „Miteinander reden und Dialog“ seien die „Grundbedingungen für gute Nachbarschaft“, sagte Jürgen Schöberlein, Bereichsleiter für Jugend- und Familienhilfe sowie Erwachsenenhilfe bei der Diakonie Hochfranken, gerade auch im Hinblick auf verschiedene Bedürfnisse und unterschiedliche Interessen der heterogenen Bürgerschaft in städtischen Räumen, wo es eng zugeht und die Zusammensetzung der Nachbarschaft oft auch eher schnelllebig ist. Das betätigte Stefan Schmalfuß (CSU), Oberbürgermeister der Stadt Hof. Nachbarschaft bedeute „gegenseitige Akzeptanz, Toleranz und Wertschätzung“. Das sei „immer ein Geben und Nehmen und nicht einfach, wenn verschiedene Kulturen aufeinandertreffen“. Diese Offenheit und Bereitschaft, auch bei Schwierigkeiten nicht dichtzumachen, erwarte er auch von den Bürgerinnen und Bürgern Hofs. Denn anders funktioniere ein gutes Zusammenleben nicht, unterstrich der Hofer OB.
Dass Dialog und Aufeinander-Zugehen nicht ausschließlich auf der verbalen Ebene passieren, machte Vlasta Heinrich Groll, Pfarrerin der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder, Eger/Asch, deutlich. Sie berichtete von musikalischen Andachten in ihrer Gemeinde, zu denen verschiedenste Menschen auch aus weiter entfernten Orten grenzüberschreitend zusammenkommen. „Mit dem heiligen Geist und Kaffee und Kuchen entsteht eine Art Gemeinde, in der sich die Menschen daheim fühlen.“ Jürgen Schöberlein macht ähnliche Erfahrungen mit der Aktion „Über den Tellerrand“ der Diakonie Hochfranken, bei der Menschen zusammen kochen und essen und dabei Gemeinsamkeit finden. „Begegnung beim gemeinsamen Essen ist ein Erfolgsrezept“, brachte es Schöberlein auf den Punkt.
Ein Mehrwert für das Entstehen von Miteinander und Gemeinschaft auch über große Entfernungen und unterschiedliche Lebenswelten hinweg ist der christliche Glaube. „Brüder und Schwestern in Christus zu sein“ sei „eine andere Qualität“, sagte der Diakon Sebastian Damm, geschäftsführender Dekanatsjugendreferent in Hof und engagiert in der kirchlichen Partnerschaftsarbeit des Dekanatsbezirks mit Malaysia. „Ich hatte nicht einen Moment der Fremdheit“, erzählte er von einer Jugendbegegnung in Malaysia. „Unsere Kirche ist so groß und unser Gott ist so groß, und das verbindet uns.“
Bei allen Schwierigkeiten, das zeigte der Abend in Hof, der in einer Lila Nacht, einem bunten Fest mit Musik und einem gemeinsamen Picknick, noch lange ausklang, sind Nachbarschaft und gutes Miteinander ein attraktives Konzept. Mit dem Satz „Wenn ich ‚Hof‘ höre, klingt es in meinen Ohren immer nach Hoffnung“ hatte die Regionalbischöfin im Kirchenkreis Bayreuth, Berthild Sachs, die Gäste begrüßt. Beim gemeinsamen Jahresempfang von Mission EineWelt und dem Kirchenkreis Bayreuth war dieser Klang sicht- und hörbar.
Text: Thomas Nagel, Mission EineWelt
